30.01.2026 | Lesezeit


HS‑Nomenklatur 2028

Die Harmonisierten Systemnomenklatur (HS) wird ab 1. Januar 2028 in ihrer achten Ausgabe wirksam. Die HS‑2028-Reform ist eine der umfassendsten Anpassungen seit Jahrzehnten und reagiert auf technologischen Fortschritt, globale Handelsveränderungen, Umweltanforderungen und gesundheitspolitische Prioritäten.

Die Revision wurde von der Weltzollorganisation (WCO) nach einem sechsjährigen siebten Überprüfungszyklus verabschiedet, der pandemiebedingte Verzögerungen ausgeglichen hat. Für Unternehmen bedeutet dies: Stammdaten, Prozesse, Systeme und Compliance-Maßnahmen müssen frühzeitig auf die neue HS-Struktur abgestimmt werden, um reibungslose Zollabwicklung und rechtssichere Handelsprozesse sicherzustellen.


Gesamtumfang der HS‑Revision 2028

Die HS‑2028-Version ist quantitativ und qualitativ erweitert:

  • 299 Änderungspakete, die bestehende Positionen präzisieren oder neue Warengruppen schaffen.
  • 1 229 Headings und 5 852 Subheadings – die präziseste Gliederung der letzten Jahre.
  • Sechs neue Headings für moderne Produktsegmente; fünf Headings gestrichen, um veraltete Klassifizierungen zu entfernen.
  • 428 neue Subheadings, u. a. für Nahrungsergänzung, Impfstoffe, Kunststoffe, Chemikalien, Hanf und pflanzenbasierte Getränke; 172 Subheadings entfallen.

Strategische Bedeutung

Die Revision ermöglicht eine einheitliche globale Tarifierung, reduziert Interpretationsspielräume, unterstützt die präferenzrechtliche Bewertung und liefert verlässliche Daten für Statistik, Compliance und Risikoanalyse.


Zielsetzung und strategische Einordnung

Die HS‑Revision 2028 verfolgt vier zentrale Leitlinien:

  • Aktualität: Einbindung moderner Technologien, innovativer Produkte und neuer Produktionsprozesse.
  • Transparenz: Präzisere Abgrenzung nahestehender Warengruppen und eindeutige Definitionen sensibler Produkte.
  • Compliance: Umsetzung internationaler Verpflichtungen wie Basel-Konvention, Umweltschutz und globale Gesundheitsvorgaben.
  • Harmonisierung: Einheitliche Tarifierung für globale Märkte und konsistente statistische Erhebung.

Die Revision ist somit nicht nur ein Tarifierungsinstrument, sondern eine strategische Grundlage für Trade Compliance, Risikomanagement und operative Stabilität in globalen Lieferketten.


Fachliche Kernänderungen und operative Relevanz

Lebensmittel, Nahrungsergänzung und pflanzenbasierte Getränke

  • Einführung eines eigenständigen Regimes für Nahrungsergänzungsmittel, mit klaren Definitionen, Dosierungsformen und Abgrenzungen zu Lebensmitteln und pharmazeutischen Produkten.
  • Neue Unterpositionen für pflanzenbasierte Getränke, inklusive präziser Kriterien für Extrakt- und Suspensionsgetränke.
  • Klare Differenzierung für Soja und Mais: Edamame auf Gemüseebene, Baby-Mais außerhalb Getreidekapitel.

Fisch, Krustentiere und Mehle für die menschliche Ernährung

  • Neustrukturierung der Krustentierpositionen nach Tierart und Zubereitungsgrad.
  • Einführung eigenständiger Positionen für Mehle, Schrote und Pulver von Wasserorganismen.
  • Anpassung von Handels- und Artbezeichnungen an wissenschaftliche und marktübliche Standards.

Pharmazeutika, Impfstoffe und medizinisch-ernährungsbezogene Präparate

  • Unterteilung von Impfstoffen nach Indikationen und Human-/Veterinärmedizin.
  • Neue Unterpositionen für Insulin und verwandte Präparate.
  • Definition pharmazeutischer Ernährungsprodukte

Chemikalien, Gefahrstoffe, PFAS

  • Unterpositionen für halogenierte Flammschutzmittel, PFAS und persistente Schadstoffe.
  • Erweiterte Noten für gefährliche Zubereitungen.
  • Verbesserung von Monitoring und Compliance.

Kunststoffe, Einwegwaren, Abfälle, biobasierte Polymere

  • Definition und Klassifizierung von Einwegkunststoffen für Verpackungen, Geschirr, Handschuhe, Laborartikel.
  • Differenzierung von Kunststoffabfällen nach Basel-Konvention.
  • Einführung biobasierter und biodegradierbarer Polymere (PBAT, PBS, PEF, PHBV).

Hanf entlang der Wertschöpfungskette

  • Abbildung von Saatgut, Ölen, Rückständen, Fasern, Garnen, Geweben und Industrieprodukten.

Holz, Textilien, Glas und weitere Präzisierungen

  • Erweiterung holzbezogener Positionen (Tropen- und Laubholz, CITES).
  • Neue Tarifierungen für Textilien, Hygieneprodukte, Schutzmasken.
  • Differenzierung von Labor-Glasgeräten nach Funktion und Material.

Operative Konsequenzen aller Änderungen

Die HS‑Revision 2028 erfordert branchenübergreifend:

  • Stammdatenmanagement: Anpassung von Material- und Artikelstammdaten an neue Headings/Subheadings.
  • Zolltarifierung: Aktualisierung aller Zollnummern in ERP, Zollsoftware und Dokumentationen.
  • Abgaben- und Präferenzberechnungen: Neubewertung von Präferenzregeln, Ursprungskalkulationen und tariflichen Pflichten.
  • Produkt- und Exportkontrolle: Anpassung von Genehmigungen, Verbotsprüfungen und regulatorischen Dokumenten.
  • Lieferanten- und Kundenkommunikation: Information über geänderte Codes und Anforderungen in Verträgen, Lieferantenerklärungen und Lieferkettenprozessen.
  • Sicherheits- und Umweltdaten: Aktualisierung von Sicherheitsdatenblättern, Kennzeichnungen und Noten zu Chemikalien, Kunststoffen und Abfällen.
  • Schulung & Prozessanpassung: Fachliche Schulungen, Awareness-Programme, Validierung in Testumgebungen.
  • Monitoring & Compliance: Implementierung von Kontrollmechanismen nach Go-Live, Lessons Learned, kontinuierliche Anpassung an nationale und internationale Vorgaben.

Fazit

Die HS‑Revision 2028 schafft klar definierte Warengruppen, transparente Unterpositionen und eindeutige Abgrenzungen, wodurch:

  • Interpretationsspielräume minimiert
  • Rechtsunsicherheiten reduziert
  • Zollprozesse effizienter und stabiler werden
  • Compliance-Risiken gesenkt
  • Handelsstatistiken und Präferenzberechnungen belastbarer werden

Unternehmen profitieren von stabilen Lieferketten, belastbarer Tarifierung und rechtskonformer Abwicklung, was wirtschaftlichen Erfolg und regulatorische Sicherheit verbindet.


Zum Nachlesen

HS 2028

Die Umsetzung von HS 2028 erfordert fundiertes Fachwissen, strukturierte Planung und operative Exzellenz. Die SW Zoll-Beratung GmbH unterstützt Unternehmen als Full-Service-Partner mit:

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So werden Zollprozesse stabil, compliance-sicher und zukunftsfähig, und Unternehmen profitieren von verlässlicher Sicherheit in globalen Lieferketten.


Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung

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