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EG-Nummer (EC Number)

Eindeutige Identifizierung von Stoffen als Grundlage regulatorischer Compliance

Wer mit chemischen Stoffen arbeitet, sei es als Hersteller, Importeur, Händler oder Anwender, begegnet früher oder später der sogenannten EG-Nummer (EC Number). Obwohl sie in Sicherheitsdatenblättern, REACH-Registrierungen und Einstufungsdatenbanken regelmäßig auftaucht, ist ihre Bedeutung vielen Unternehmen nicht vollständig bekannt.

Dabei erfüllt die EG-Nummer eine zentrale Funktion: Sie ermöglicht die eindeutige Identifizierung eines Stoffes im europäischen Chemikalienrecht und schafft damit die Grundlage für eine rechtskonforme Kommunikation entlang der Lieferkette.


Was ist eine EG-Nummer

Die EG-Nummer (Europäische Gemeinschafts-Nummer) ist ein numerischer Stoffidentifikator, der von den europäischen Stoffinventaren vergeben wird. Sie dient dazu, chemische Stoffe innerhalb der Europäischen Union eindeutig zu identifizieren und von anderen Stoffen abzugrenzen.

Eine EG-Nummer besteht aus sieben Ziffern im Format:

  • XXX-XXX-X

Beispielsweise besitzt Formaldehyd die EG-Nummer:

  • 200-001-8

Anders als die Stoffbezeichnung bleibt die EG-Nummer unabhängig von Sprachversionen oder Handelsnamen unverändert. Dadurch wird eine eindeutige Zuordnung über nationale Grenzen hinweg ermöglicht.


Woher stammen EG-Nummern

Offizielle EG-Nummern stammen aus drei europäischen Stoffinventaren:

1. EINECS
European Inventory of Existing Commercial Chemical Substances

Das EINECS-Verzeichnis enthält sogenannte Altstoffe, die bereits vor dem Stichtag der europäischen Chemikaliengesetzgebung kommerziell auf dem Markt vorhanden waren. Die EINECS-Nummern beginnen mit der Nummernreihe 200-001-8.

2. ELINCS
European List of Notified Chemical Substances

Dieses Verzeichnis umfasst angemeldete Neustoffe, die nach den damaligen europäischen Vorschriften notifiziert wurden. Die Nummern beginnen mit 400-010-9.

3. NLP-Liste
No-Longer-Polymers

Diese Liste enthält Stoffe, die ursprünglich als Polymere betrachtet wurden, später jedoch nicht mehr unter die Polymerdefinition fielen. Die NLP-Nummern beginnen mit 500-001-0.


Welche Rolle spielt die ECHA

Mit Inkrafttreten der REACH-Verordnung wurde die Verwaltung chemischer Stoffe zunehmend durch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) unterstützt.

Für Stoffe, die nicht in den ursprünglichen Inventaren enthalten waren, wurden zusätzliche Identifikatoren eingeführt. Dabei handelt es sich um sogenannte Listennummern, die zwar dem bekannten Format der EG-Nummer folgen, rechtlich jedoch nicht mit den offiziell veröffentlichten EG-Nummern der Stoffinventare gleichzusetzen sind. Sie dienen insbesondere administrativen Zwecken innerhalb der Stoffverwaltung durch die ECHA.


EG-Nummer oder CAS-Nummer: Wo liegt der Unterschied

In der Praxis werden EG-Nummern häufig mit CAS-Nummern verwechselt.

Die CAS-Nummer wird vom Chemical Abstracts Service vergeben und weltweit verwendet. Die EG-Nummer hingegen ist ein europäischer Stoffidentifikator, der unmittelbar mit den europäischen Chemikalienvorschriften verknüpft ist.

In vielen Fällen werden beide Nummern parallel verwendet, um eine möglichst eindeutige Stoffidentifikation sicherzustellen.


Warum ist die EG-Nummer in der Praxis so wichtig

Die EG-Nummer begegnet Unternehmen in zahlreichen Prozessen:

  • Erstellung und Pflege von Sicherheitsdatenblättern
  • REACH-Registrierungen
  • CLP-Einstufungen und Kennzeichnungen
  • Kommunikation innerhalb der Lieferkette
  • Stoffrecherchen in Datenbanken der ECHA
  • Gefahrstoffmanagement
  • Produkt- und Compliance-Prüfungen

Eine fehlerhafte Zuordnung kann dazu führen, dass Stoffinformationen unzutreffend übertragen werden oder regulatorische Bewertungen auf einer falschen Datengrundlage erfolgen.


Bedeutet eine EG-Nummer automatisch, dass ein Stoff gefährlich ist

Nein.

Ein häufiger Irrtum besteht darin, die Existenz einer EG-Nummer mit einer Einstufung als Gefahrstoff gleichzusetzen. Tatsächlich trifft die EG-Nummer keinerlei Aussage über die Gefährlichkeit eines Stoffes. Sie dient ausschließlich dessen eindeutiger Identifizierung. Ob ein Stoff als gefährlich eingestuft wird, ergibt sich aus den jeweils anwendbaren Einstufungs- und Kennzeichnungsvorschriften.


Praktisches Beispiel

Ein Unternehmen importiert einen chemischen Stoff aus einem Drittstaat und erhält vom Lieferanten die CAS-Nummer. Für die Prüfung von REACH- oder CLP-Anforderungen ist häufig zusätzlich die korrekte EG-Nummer erforderlich.

Erst die eindeutige Identifizierung des Stoffes ermöglicht eine belastbare Recherche in den europäischen Datenbanken und damit die Bewertung möglicher Registrierungs-, Einstufungs- oder Informationspflichten.


Fazit

Die EG-Nummer ist weit mehr als eine technische Kennziffer. Sie bildet einen zentralen Baustein des europäischen Chemikalienrechts und sorgt für die eindeutige Identifizierung chemischer Stoffe über Unternehmens-, Länder- und Sprachgrenzen hinweg. Unternehmen, die mit chemischen Stoffen handeln oder diese verwenden, sollten die Funktion und Bedeutung der EG-Nummer kennen und bei Compliance-Prüfungen konsequent berücksichtigen.

Insbesondere im Zusammenspiel mit REACH, CLP und Sicherheitsdatenblättern gehört die EG-Nummer zu den wichtigsten Identifikationsmerkmalen eines Stoffes und ist damit ein wesentlicher Bestandteil eines funktionierenden Chemikalien- und Compliance-Managements.


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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung
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