03.08.2026 | reading time


Änderungen im Harmonisierten System 2028

HS2028

Die internationale Einreihungsgrundlage steht vor einer weiteren, regelmäßigen, aber bedeutenden, Veränderung. Die Weltzollorganisation (WCO) hat die Änderungen des Harmonisierten Systems (HS) 2028 verabschiedet. Die neue Fassung tritt zum 1. Januar 2028 in Kraft und bildet künftig die Grundlage für Zolltarife, Handelsstatistiken, Präferenzregelungen und zahlreiche weitere außenwirtschaftliche Anforderungen weltweit.

Für Unternehmen im internationalen Handel ist die Anpassung von hoher Relevanz. Änderungen in der Warenklassifizierung wirken sich nicht nur auf Zollanmeldungen aus, sondern häufig auch auf Ursprungsregeln, Exportkontrolle, Meldepflichten, interne Stammdaten und digitale Compliance-Prozesse. Bereits in den Jahren 2026 und 2027 werden viele Unternehmen damit beginnen müssen, ihre Zoll- und Außenhandelsstrukturen auf die neue Systematik vorzubereiten.


Warum das HS 2028 überarbeitet wurde

Das Harmonisierte System wird regelmäßig weiterentwickelt, um aktuelle Entwicklungen im internationalen Handel abzubilden. Die nun verabschiedete achte Ausgabe des HS ist das Ergebnis eines außergewöhnlich langen Überarbeitungszyklus. Aufgrund der Auswirkungen der COVID-19-Pandemie wurde der ursprünglich vorgesehene Fünfjahresrhythmus auf insgesamt sechs Jahre erweitert.

Ziel der Änderungen ist es, neue Handelsströme, technologische Entwicklungen und regulatorische Anforderungen besser abzubilden. Gleichzeitig soll die Transparenz in besonders sensiblen Bereichen wie Gesundheitsschutz, Nachhaltigkeit und regulatorischer Überwachung verbessert werden.


Umfang der Änderungen

Die Überarbeitung fällt umfangreich aus. Nach Angaben der Weltzollorganisation umfasst HS 2028 insgesamt 299 Änderungspakete. Hierdurch entstehen zahlreiche neue Warennummern und Strukturänderungen innerhalb der Nomenklatur. Das neue System umfasst künftig 1.229 Positionen und 5.852 Unterpositionen. Gegenüber HS 2022 wurden sechs neue Positionen und 428 neue Unterpositionen geschaffen, während fünf Positionen und 172 Unterpositionen entfallen.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Unternehmen nicht nur mit einzelnen Anpassungen rechnen müssen. Vielmehr werden zahlreiche bestehende Tarifierungen überprüft und gegebenenfalls neu bewertet werden müssen.

Stärkerer Fokus auf Gesundheit und Krisenvorsorge

Ein Schwerpunkt der neuen Nomenklatur liegt im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass eine präzisere Erfassung bestimmter Produktgruppen für staatliche Stellen und Unternehmen gleichermaßen wichtig sein kann.

Zu den Bereichen mit höherer Differenzierung gehören insbesondere:

  • Kranken- und Rettungsfahrzeuge
  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Medizinische Beatmungsgeräte
  • Diagnose- und Überwachungstechnik

Durch die detailliertere Klassifizierung sollen Handelsströme besser nachvollziehbar werden und Maßnahmen in Krisensituationen effizienter umgesetzt werden können.


Neue Systematik für Impfstoffe

Eine der auffälligsten strukturellen Änderungen betrifft die Einreihung von Impfstoffen. Bislang wurden verschiedene Impfstoffarten gemeinsam innerhalb einer bestehenden Position erfasst. Mit HS 2028 erfolgt eine deutlich differenziertere Aufteilung.

Künftig werden Impfstoffe für die Humanmedizin und andere Impfstoffe, beispielsweise für veterinärmedizinische Anwendungen, in eigenständigen Positionen geführt. Zusätzlich erfolgt eine weitergehende Untergliederung nach den jeweiligen Anwendungsbereichen.

Diese Anpassung erhöht die Transparenz internationaler Handelsdaten und unterstützt eine präzisere Auswertung globaler Versorgungs- und Lieferketten.


Neue Warennummern für Nahrungsergänzungsmittel

Ein weiterer wichtiger Baustein des HS 2028 betrifft Nahrungsergänzungsmittel. In der Praxis führte die Einreihung dieser Produkte in der Vergangenheit regelmäßig zu Abgrenzungsfragen zwischen Lebensmitteln und pharmazeutischen Erzeugnissen.

Vor diesem Hintergrund wird mit HS 2028 eine neue Position für Nahrungsergänzungsmittel eingeführt. Ziel ist die Schaffung eines klareren und international einheitlicheren Klassifizierungsrahmens. Dadurch sollen Rechtssicherheit und statistische Auswertbarkeit verbessert werden.


Nachhaltigkeit und Umweltschutz gewinnen an Bedeutung

Die neuen Regeln spiegeln auch die zunehmende Bedeutung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen wider. Die WCO hat verschiedene Anpassungen vorgenommen, um umweltbezogene Handelsströme künftig differenzierter darstellen zu können.

Die Änderungen betreffen unter anderem:

  • Umweltrelevante Produktgruppen
  • Abfall- und Recyclingströme
  • Regulatorische Anforderungen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitszielen
  • Verbesserte statistische Erfassungsmöglichkeiten für umweltbezogene Warenbewegungen

Damit entwickelt sich das Harmonisierte System zunehmend von einem reinen Zollinstrument zu einer wichtigen Grundlage für nationale und internationale Regulierungs- und Überwachungsmechanismen.


Welche Auswirkungen ergeben sich für Unternehmen?

Auch wenn das Inkrafttreten erst zum 1. Januar 2028 erfolgt, beginnt die Vorbereitung schon heute. Die Erfahrung aus früheren HS-Anpassungen zeigt, dass Änderungen der Warennummern zahlreiche Folgeprozesse beeinflussen können.

Besonders betroffen sein können:

  • Stammdaten und Tarifierungsdatenbanken
  • Zollanmeldungen und interne Zollprozesse
  • Präferenzkalkulationen und Ursprungsprüfungen
  • Exportkontrollprozesse
  • ERP- und Außenhandelssysteme
  • Verträge und Kundenvereinbarungen mit Bezug auf Zolltarifnummern

Unternehmen mit umfangreichen Produktportfolios sollten die veröffentlichten Korrelationstabellen zwischen HS 2022 und HS 2028 frühzeitig analysieren und mögliche Auswirkungen bewerten. Die Weltzollorganisation und die nationalen Zollverwaltungen werden die zweijährige Übergangsphase für entsprechende Umsetzungsmaßnahmen nutzen.


Fazit: HS 2028 ist mehr als ein reguläres Tarifupdate

Die Änderungen des Harmonisierten Systems 2028 gehen deutlich über eine reine Anpassung einzelner Warennummern hinaus. Gesundheitsschutz, Nachhaltigkeit, regulatorische Transparenz und neue Handelsrealitäten prägen die kommende Nomenklatur stärker als je zuvor. Unternehmen im internationalen Handel sollten die Übergangszeit nutzen, um ihre Tarifierungen, Prozesse und Systeme rechtzeitig auf die neue Struktur auszurichten.


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Autor: Tim Mayer - Leiter Training & Beratung

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