Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1788 der Kommission vom 23. Juli 2026 (ABl. L 2026/1788 vom 24.07.2026) hat die Europäische Kommission die Durchführungsverordnung (EU) 2022/191 zur Einführung eines endgültigen Antidumpingzolls auf die Einfuhren bestimmter Verbindungselemente aus Eisen oder Stahl mit Ursprung in der Volksrepublik China geändert. Die TARIC-Codes 7318 22 00 31 und 7318 22 00 95 werden rückwirkend zum 18. Februar 2022 aus dem Anwendungsbereich der Antidumpingmaßnahmen entfernt. Alle auf dieser Grundlage erhobenen endgültigen Antidumpingzölle sind nach den geltenden Zollvorschriften zu erstatten. Die Verordnung betrifft Unternehmen, die seit dem 18. Februar 2022 Einfuhren unter den betroffenen TARIC-Codes angemeldet und hierfür Antidumpingzölle entrichtet haben. Die Erstattung erfolgt nicht automatisch. Betroffene Unternehmen sollten ihre Importhistorie prüfen, Erstattungsbeträge ermitteln, Fristen bewerten und die erforderlichen Anträge vorbereiten.
Hintergrund
Die Einfuhren bestimmter Verbindungselemente aus Eisen oder Stahl mit Ursprung in der Volksrepublik China unterliegen seit Jahren Antidumpingmaßnahmen der Europäischen Union. Die aktuelle Rechtsgrundlage wurde mit der Durchführungsverordnung (EU) 2022/191 geschaffen, die endgültige Antidumpingzölle auf bestimmte Schrauben, Bolzen und Unterlegscheiben einführte. Mit der Veröffentlichung der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1788 im Amtsblatt der Europäischen Union, Reihe L 2026/1788 vom 24. Juli 2026, korrigiert die Europäische Kommission nun einen Fehler in dieser Regelung. Nach den Feststellungen der Kommission stammen die TARIC-Codes 7318 22 00 31 und 7318 22 00 95 aus einer früheren Umgehungsuntersuchung derselben Ware. Diese Codes hätten bereits mit dem Auslaufen der damaligen Antidumpingmaßnahmen am 28. Februar 2016 geschlossen werden müssen. Stattdessen wurden sie versehentlich in die Durchführungsverordnung (EU) 2022/191 übernommen und verblieben dort bis zur Veröffentlichung der Änderungsverordnung im Jahr 2026. Die Folge war, dass seit dem Inkrafttreten der Verordnung (EU) 2022/191 Antidumpingzölle auf Waren erhoben wurden, für die keine gültige Rechtsgrundlage mehr bestand. Die Europäische Kommission stellt ausdrücklich fest, dass sämtliche auf dieser Grundlage erhobenen Zölle nach den geltenden Zollvorschriften zu erstatten sind.
Warum wurde die Verordnung geändert
Die Europäische Kommission führt in den Erwägungsgründen der Verordnung aus, dass die TARIC-Codes 7318 22 00 31 und 7318 22 00 95 irrtümlich im Anwendungsbereich der Antidumpingmaßnahmen verblieben sind. Nach einer erneuten Prüfung gelangte die Kommission zu dem Ergebnis, dass die Codes aus der Durchführungsverordnung (EU) 2022/191 gestrichen werden müssen. Die Änderung erfolgt rückwirkend zum 18. Februar 2022, dem Tag des Inkrafttretens der ursprünglichen Verordnung. Damit behandelt die Europäische Union die beiden TARIC-Codes rechtlich so, als wären sie seit diesem Zeitpunkt niemals Bestandteil der Antidumpingmaßnahmen gewesen.
Inhalt der Durchführungsverordnung (EU) 2026/1788
Durch Artikel 1 der Verordnung wird Artikel 1 Absatz 1 der Durchführungsverordnung (EU) 2022/191 geändert. Die TARIC-Codes 7318 22 00 31 und 7318 22 00 95 werden aus dem Bereich des KN-Codes ex 7318 22 00 entfernt. Im Geltungsbereich verbleiben lediglich die TARIC-Codes 7318 22 00 39 und 7318 22 00 98. Besondere Bedeutung hat Artikel 2 der Verordnung. Dort wird ausdrücklich festgelegt:
Alle endgültigen Zölle, die nach Artikel 1 der Durchführungsverordnung (EU) 2022/191 auf die Einfuhren von in die TARIC-Codes 7318 22 00 31 und 7318 22 00 95 eingereihten Waren entrichtet wurden, werden nach den geltenden Zollvorschriften erstattet.
Es handelt sich daher nicht lediglich um eine technische TARIC-Anpassung, sondern um eine ausdrückliche unionsrechtliche Anordnung zur Erstattung der bislang erhobenen Antidumpingzölle.
Wer ist betroffen
Betroffen sind Unternehmen, die seit dem 18. Februar 2022 Waren unter den TARIC-Codes 7318 22 00 31 oder 7318 22 00 95 zum zollrechtlich freien Verkehr angemeldet und hierfür Antidumpingzölle entrichtet haben. Die betreffenden TARIC-Codes beziehen sich auf bestimmte Unterlegscheiben aus Eisen oder Stahl. Unternehmen sollten ihre Tarifierungen, Zollanmeldungen, Warenstammdaten und historischen Einfuhrvorgänge überprüfen, um festzustellen, ob entsprechende Einfuhren erfolgt sind.
Rechtliche Einordnung
Die Verordnung schafft den materiell-rechtlichen Erstattungsanspruch. Von diesem Anspruch zu unterscheiden sind die verfahrensrechtlichen Anforderungen für dessen Durchsetzung.
Zu prüfen sind insbesondere:
- die Antragsberechtigung,
- die Zuständigkeit der Zollbehörde,
- die Fristen nach dem Unionszollkodex,
- die Nachweispflichten,
- mögliche Rechtsbehelfe.
Die Durchführungsverordnung (EU) 2026/1788 ordnet die Erstattung an, ersetzt jedoch nicht die geltenden zollrechtlichen Verfahrensvorschriften.
Antragstellung
Die Erstattung erfolgt nicht automatisch. Unternehmen müssen ihre Ansprüche aktiv gegenüber der zuständigen Zollbehörde geltend machen. Vor Antragstellung sollte geprüft werden, wer Zollschuldner war und wer wirtschaftlich mit den Antidumpingabgaben belastet wurde. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Zollanmeldungen durch Spediteure, Zollagenten oder andere Vertreter abgegeben wurden.
Bei direkter Vertretung bleibt der Importeur regelmäßig Zollschuldner. Bei indirekter Vertretung können Vertreter und Importeur gemeinsam Zollschuldner sein. Die Antragsberechtigung sollte deshalb vor Antragstellung eindeutig geklärt werden. Der Antrag ist grundsätzlich bei der für die jeweilige Zollschuld zuständigen Zollbehörde einzureichen. Bei Unternehmen mit mehreren Einfuhrorten oder verschiedenen Zollstellen sollte geprüft werden, welche Behörde die jeweiligen Antidumpingabgaben festgesetzt hat.
Erforderliche Unterlagen und Dokumentation
Für die Antragstellung sollten die betroffenen Einfuhren vollständig dokumentiert werden. Hierzu gehören insbesondere die MRN der Zollanmeldungen, die entsprechenden Zollanmeldungen, Einfuhrabgabenbescheide, Nachweise über die entrichteten Antidumpingzölle sowie Handelsrechnungen und weitere Zollunterlagen. Für eine revisionssichere Dokumentation empfiehlt sich die Erstellung einer Übersicht, aus der unter anderem die MRN, das Annahmedatum der Anmeldung, der TARIC-Code, das Datum der Mitteilung der Zollschuld, die Höhe des erhobenen Antidumpingzolls und der beantragte Erstattungsbetrag hervorgehen. Diese Dokumentation dient gleichzeitig als Nachweis gegenüber der Zollverwaltung, der Internen Revision, Wirtschaftsprüfern sowie Compliance-Funktionen.
Fristen und Nachweispflichten
Für Erstattungs- und Erlassanträge gilt nach dem Unionszollkodex grundsätzlich eine Dreijahresfrist ab Mitteilung der Zollschuld. Als Mitteilung der Zollschuld kommen insbesondere Einfuhrabgabenbescheide, Buchungsmitteilungen oder vergleichbare Mitteilungen der Zollverwaltung in Betracht. Diese Unterlagen sollten sorgfältig archiviert werden, da sie für die Fristberechnung maßgeblich sind.
Besonderheit bei Einfuhren aus 2022
Die zentrale Praxisfrage betrifft Einfuhren aus dem Jahr 2022. Einerseits gilt die Dreijahresfrist des Unionszollkodex. Andererseits wurde die fehlende Rechtsgrundlage der Zollerhebung erst durch die Durchführungsverordnung (EU) 2026/1788 im Juli 2026 ausdrücklich festgestellt. Die Verordnung enthält keine eigenständige Regelung zur Fristenproblematik. Einfuhren aus dem Jahr 2022 sollten deshalb nicht vorschnell als verfristet betrachtet werden. Vielmehr sollte geprüft werden, welche Auswirkungen die rückwirkende Änderungsverordnung auf die Durchsetzbarkeit möglicher Erstattungsansprüche hat.
Zum Nachweis der Fristwahrung empfiehlt sich die Anlage einer vollständigen Erstattungsakte mit Antragsschreiben, Versandnachweisen, Eingangsbestätigungen und der vollständigen Korrespondenz mit der Zollverwaltung.
Finanzielle und steuerliche Auswirkungen
Die Verordnung kann Auswirkungen auf verschiedene Unternehmensbereiche haben. Neben der Höhe der erstattungsfähigen Antidumpingzölle sollten Unternehmen prüfen, ob Zinsansprüche bestehen und wie Erstattungsforderungen bilanziell zu behandeln sind. Darüber hinaus können Auswirkungen auf Rückstellungen, Jahresabschlüsse und interne Finanzberichte entstehen. Auch steuerliche Fragestellungen sollten berücksichtigt werden. Hierzu gehören insbesondere mögliche Auswirkungen auf die Einfuhrumsatzsteuer, die Bilanzierung der Forderung sowie die Behandlung bereits abgeschlossener Geschäftsjahre.
Compliance- und Risikoperspektive
Die Verordnung zeigt, dass selbst unmittelbar geltende EU-Rechtsakte nachträglich korrigiert werden können. Unternehmen sollten deshalb Prozesse etabliert haben, mit denen Änderungen des TARIC, Antidumpingmaßnahmen sowie Veröffentlichungen im Amtsblatt der Europäischen Union systematisch überwacht werden. Unterbleibt eine Prüfung, können Erstattungsansprüche unentdeckt bleiben. Gleichzeitig können Fristprobleme entstehen oder Schwächen im Zoll-Compliance-System sichtbar werden. Aus Sicht von Compliance, Internal Audit und Governance gehört die Identifikation und Verfolgung potenzieller Erstattungsansprüche zu einem wirksamen Internal Control System.
Compliance-Checkliste
Unternehmen sollten sicherstellen, dass die betroffenen TARIC-Codes identifiziert, sämtliche Einfuhren seit dem 18. Februar 2022 ausgewertet und die potenziellen Erstattungsbeträge berechnet wurden. Darüber hinaus sollten Zollschuldner und Vertretungsverhältnisse geprüft, die zuständige Zollbehörde bestimmt und die UZK-Fristen bewertet werden. Ebenso wichtig ist eine revisionssichere Dokumentation aller relevanten Unterlagen, Bescheide und Berechnungen. Finance-, Tax-, Compliance- und Audit-Funktionen sollten frühzeitig in die Bewertung eingebunden werden.
Fazit
Die Durchführungsverordnung (EU) 2026/1788 der Kommission vom 23. Juli 2026 (ABl. L 2026/1788 vom 24.07.2026) korrigiert einen Fehler in den Antidumpingmaßnahmen für bestimmte Verbindungselemente aus Eisen oder Stahl mit Ursprung in der Volksrepublik China. Die TARIC-Codes 7318 22 00 31 und 7318 22 00 95 werden rückwirkend zum 18. Februar 2022 aus dem Anwendungsbereich der Maßnahmen entfernt. Die auf dieser Grundlage erhobenen endgültigen Antidumpingzölle sind nach den geltenden Zollvorschriften zu erstatten. Unternehmen sollten ihre Einfuhrhistorie analysieren, Erstattungsbeträge dokumentieren, Fristen prüfen und die erforderlichen Anträge vorbereiten. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Behandlung von Einfuhren aus dem Jahr 2022, da die Wechselwirkung zwischen den Fristregelungen des Unionszollkodex und der rückwirkenden Änderungsverordnung derzeit die zentrale Rechtsfrage darstellt.
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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung