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Wissen & News

66 "News & Trends"

Zertifikatskosten bei der Einfuhr von CBAM‑Waren zuverlässig ermitteln
12.02.2026 |
Lesezeit

Zertifikatskosten bei der Einfuhr von CBAM‑Waren zuverlässig ermitteln

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) markiert einen zentralen Wendepunkt für den …
Zertifikatskosten bei der Einfuhr von CBAM‑Waren zuverlässig ermitteln

Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) markiert einen zentralen Wendepunkt für den europäischen Außenhandel. Seit dem Beginn der Übergangsphase ist klar: Unternehmen, die Waren aus bestimmten emissionsintensiven Sektoren in die EU importieren, müssen künftig nicht nur Emissionsdaten melden, sondern ab 2026 auch CBAM‑Zertifikate erwerben, um die in den importierten Gütern enthaltenen CO₂‑Emissionen abzudecken.

Damit wird die präzise Ermittlung der Zertifikatskosten zu einem entscheidenden Baustein rechtskonformer und wirtschaftlich effizienter Importprozesse. Besonders anspruchsvoll ist dies, weil Kostenfaktoren wie Emissionswerte, Benchmarks, Standardwerte und Zertifikatspreise dynamisch und teils komplex miteinander verknüpft sind.

Dieser Beitrag zeigt strukturiert auf, wie Unternehmen die anfallenden CBAM‑Kosten fachgerecht kalkulieren, welche Datenquellen relevant sind und welche strategischen Maßnahmen dabei unterstützen, Kostenrisiken zu reduzieren.


Grundlagen: Woraus setzen sich CBAM‑Kosten zusammen?

Die Kosten für CBAM‑Zertifikate ergeben sich aus einer Kombination zentraler Einflussgrößen, die zusammen ein belastbares Kostenmodell bilden.

Grundlage des CBAM ist die Berechnung der sogenannten grauen Emissionen, also der Emissionen, die direkt und indirekt in der Herstellung eines Produkts entstanden sind. Diese müssen mit einem EU‑kompatiblen CO₂‑Preis abgeglichen werden.

Die CBAM‑Kosten ergeben sich im Kern aus folgender Formel:

CBAM-Kosten = (graue Emissionen – Benchmark‑Emissionen × CBAM‑Faktor) × Zertifikatspreis × Einfuhrvolumen

Ermittlung der benötigten Emissionsdaten

Für die Kostenkalkulation sind zwei Arten von Emissionsdaten relevant:

Verifizierte Echtdaten

Wenn Produzenten im Drittland ein geeignetes Monitoring‑System etabliert haben und die Emissionsdaten durch akkreditierte Prüfer bestätigt wurden, dürfen Importeure diese Echtdaten nutzen.

Diese Daten sind für Unternehmen wirtschaftlich vorteilhaft, weil sie typischerweise deutlich niedriger ausfallen als die veröffentlichten Standardwerte. Die Praxis zeigt: Die Differenzen können erheblich sein.

Standardwerte

Sind keine Echtdaten verfügbar, muss der Importeur zwingend auf von der EU veröffentlichte Standardwerte (DVO 2025/2621) zurückgreifen.

Diese Werte

  • sind länder- und produktgruppenspezifisch,
  • werden regelmäßig aktualisiert,
  • beinhalten Sicherheitsaufschläge,
  • bilden im Regelfall ein Worst‑Case‑Szenario, das zu höheren Kosten führt.

Die Nutzung von Standardwerten ist zulässig, führt aber zu einer weniger präzisen und häufig kostenintensiveren Budgetplanung.


Bedeutung der CBAM‑Benchmarks für die Kostenberechnung

Neben den Emissionswerten spielen EU‑Benchmarks (DVO 2025/2620) eine Rolle. Sie spiegeln wider, welche Emissionsmengen in EU‑Produktionsprozessen als effizient gelten.

Werden Produkte importiert, deren Produktionsprozesse als klimafreundlicher eingestuft werden, reduziert der Benchmark den Zertifikatsbedarf.

Der Vergleich zwischen Benchmark‑Emissionen und gemeldeten Emissionen ermöglicht eine faire Angleichung an Produktionsbedingungen innerhalb der EU.


So ermitteln Unternehmen ihre CBAM‑Zertifikatskosten

Die Praxis zeigt: Ein systematischer Ansatz erleichtert es, die Kosten strukturiert und belastbar zu kalkulieren.

Einzelne Schritte zur Kostenberechnung:

Für eine fundierte Berechnung empfiehlt sich folgendes Vorgehen:

  • Festlegung der Emissionsdatenbasis:
    Entscheiden, ob verifizierte Echtdaten vorliegen oder Standardwerte genutzt werden müssen.
  • Ermittlung der grauen Emissionen:
    Berechnen der Emissionen je Produkt und je Produktionsroute.
  • Berücksichtigung der EU‑Benchmarks:
    Identifizieren der anzuwendenden Benchmark‑Werte.
  • Ermittlung des CBAM‑Faktors:
    Der Faktor reduziert sich jährlich bis 2034 – parallel zum Auslaufen der kostenlosen Zuteilung im EU‑EHS.
  • Ermittlung des Zertifikatspreises:
    Der Preis orientiert sich am Durchschnittswert der EUA‑Auktionen des jeweiligen Zeitraums.
  • Berechnung des Zertifikatsbedarfs:
    Menge an Zertifikaten je Quartal und je Produkt bestimmen.
  • Kostenkalkulation und Budgetbewertung:
    Finanzielle Auswirkungen evaluieren und strategische Entscheidungen vorbereiten.

Durch die nachvollziehbare Struktur ergeben sich klare Handlungspunkte, die sowohl für Budgetplanung, Einkauf als auch Compliance‑Management relevant sind.


Strategische Aspekte: Was beeinflusst CBAM‑Kosten zusätzlich?

Neben der rein technischen Berechnung spielen betriebswirtschaftliche und organisatorische Aspekte eine entscheidende Rolle:

  • Lieferantenmanagement:
    Wie wahrscheinlich ist es, dass Echtdaten verifiziert bereitgestellt werden?
    Wie gut sind die Produzenten auf den Prüfprozess vorbereitet?
  • Risikomanagement:
    Welche Kostenrisiken ergeben sich, wenn Standardwerte genutzt werden müssen?
  • Kostenabsicherung:
    Welche Strategien sind sinnvoll, um Preisschwankungen bei Zertifikaten zu minimieren?
  • Budgetierung:
    Wie sollten Rückstellungen angepasst werden?
  • CBAM‑Zulassung & Registerprozesse:
    Wie sind Verantwortlichkeiten im Unternehmen organisiert?

Fazit: Aktives Kostenmanagement als Schlüssel zur Planungssicherheit

Der CBAM ist nicht nur ein Berichtsinstrument, sondern ein Mechanismus, der die Importkosten substantiell beeinflusst. Unternehmen, die frühzeitig transparente Prozesse etablieren, profitieren von:

  • kalkulierbaren Importkosten,
  • geringeren Compliance‑Risiken,
  • strukturierten Abläufen gegenüber Lieferanten,
  • mehr Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit.

Die präzise Ermittlung von CBAM‑Zertifikatskosten ist kein optionaler Schritt, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für eine nachhaltige, rechtskonforme und wirtschaftlich stabile Importstrategie.


Die SW Zoll-Beratung GmbH begleitet gemeinsam mit unserem Partner Kolum Unternehmen mit umfassendem Fachwissen, strategischem Blick und operativer Stärke durch alle Phasen des CBAM - von der Analyse Ihrer Betroffenheit über die Datenvalidierung bis hin zur Optimierung Ihrer Beschaffungs- und Absicherungsstrategien: Wir stehen zuverlässig an Ihrer Seite!

Für alle Fragen rund um CBAM, Zertifikatskosten und Ihre individuelle Situation stehen wir jederzeit beratend zur Verfügung.


Kontaktieren Sie uns – wir freuen uns auf Ihre Anfrage! Gerne über unser Kontaktformular oder direkt per Mail.

Ihre zuverlässige Zollagentur - SW Zoll-Beratung GmbH

Autor: Tim Mayer - Leiter Training & Beratung

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News & Trends

Anpassung von Straftatbeständen und Sanktionen bei Verstößen gegen restriktive Maßnahmen der EU
06.02.2026 |
Lesezeit

Anpassung von Straftatbeständen und Sanktionen bei Verstößen gegen restriktive Maßnahmen der EU – Gesetz veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27

Am 5. Februar 2026 wurde im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 das Gesetz zur Anpassung von …
Anpassung von Straftatbeständen und Sanktionen bei Verstößen gegen restriktive Maßnahmen der EU

Am 5. Februar 2026 wurde im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 das Gesetz zur Anpassung von Straftatbeständen und Sanktionen bei Verstößen gegen restriktive Maßnahmen der Europäischen Union veröffentlicht. Dieses Gesetz setzt die Vorgaben der Richtlinie (EU) 2024/1226 in deutsches Recht um und bildet den Kern der Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG, §§ 18, 19) sowie der 22. Änderung der Außenwirtschaftsverordnung (AWV).

Ziel der Veröffentlichung ist die Harmonisierung der Strafbarkeit und Sanktionen bei Verstößen gegen EU-Sanktionsmaßnahmen, die bislang in Deutschland und in der Europäischen Union unterschiedlich bewertet wurden. Für Unternehmen bedeutet dies verbindliche Pflichten, die operative, strategische und administrative Anpassungen erforderlich machen. Die Novelle erweitert die Strafbarkeit nicht nur auf vorsätzliche, sondern auch auf leichtfertige Verstöße und betont die Bedeutung robuster Compliance-Strukturen.


Zum Nachlesen

BGBl. 2026 I Nr. 27 vom 05.02.2026

Bundesgesetzblatt: BGBl. I

Typ: Gesetz

BGBl.-Nr.: 27

Veröffentlichungsdatum: 05.02.2026

Ausfertigungsdatum: 03.02.2026

Federführung: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie

FNA: 7400-4, 7400-4-1, 315-24, 602-4, 26-12

Sachgebiet: Freiwillige Gerichtsbarkeit; Ausländerrecht; Zollverwaltung; Außenwirtschaft im Allgemeinen

GESTA: E018

Gesetz zur Anpassung von Straftatbeständen und Sanktionen bei Verstößen gegen restriktive Maßnahmen der Europäischen Union

Hintergrund der EU-Richtlinie 2024/1226

Die Richtlinie (EU) 2024/1226, verabschiedet am 24. April 2024 und veröffentlicht im Amtsblatt der Europäischen Union am 29. April 2024, verfolgt das Ziel, die Strafbarkeit von Verstößen gegen EU-Restriktivmaßnahmen europaweit zu harmonisieren. Sie definiert verbindliche Mindeststrafrahmen, legt Organisations- und Präventionspflichten für Unternehmen fest und schafft einen gemeinsamen Orientierungsrahmen für nationale Gesetzgeber.

Deutschland war verpflichtet, die Richtlinie bis zum 20. Mai 2025 in nationales Recht umzusetzen. Mit der 22. Änderung der AWV und der Novelle des AWG (§§ 18, 19), veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27, wurden diese Vorgaben formell umgesetzt und die nationalen Regelungen zu Genehmigungspflichten, Bußgeldern und Ordnungswidrigkeiten konkretisiert.

Zum Nachlesen

RICHTLINIE (EU) 2024/1226 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 24. April 2024 zur Definition von Straftatbeständen und Sanktionen bei Verstoß gegen restriktive Maßnahmen der Union und zur Änderung der Richtlinie (EU) 2018/1673

Kerninhalte der Novelle für Unternehmen

Strafbarkeit

  • Vorsätzliche Verstöße gegen EU-Restriktivmaßnahmen bleiben strafbar.
  • Leichtfertige Verstöße, insbesondere bei Dual-Use-Gütern sowie Genehmigungs- oder Meldepflichten, sind nun ebenfalls strafbewehrt.
  • Freiheitsstrafen für natürliche Personen bis zu drei Jahren möglich; Geldbußen für Unternehmen bis zu 40 Millionen Euro oder fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
  • Beruflich Verschwiegenheitsberechtigte (z. B. Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater) sind von bestimmten Jedermannspflichten ausgenommen.

Ordnungswidrigkeiten

  • Verstöße gegen Melde- und Genehmigungspflichten können als Ordnungswidrigkeiten geahndet werden.
  • Die Höchstbußgelder wurden erheblich erhöht.
  • Umsetzungspflichten greifen unmittelbar nach Veröffentlichung neuer EU-Sanktionslisten, wie im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 festgelegt; eine frühere Zweitagesfrist entfällt.

Personen- und Vermögenssanktionen

  • Sofortige Sperrung von Vermögenswerten und Konten gelisteter Personen.
  • Meldung an das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und Zollbehörden.
  • Verzögerungen von wenigen Tagen können als leichte Fahrlässigkeit bewertet werden, sind jedoch weiterhin ein Verstoß gegen die unmittelbare Umsetzungspflicht, wie in §§ 18, 19 AWG und der 22. AWV-Änderung im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 vorgesehen.

Operative, strategische und administrative Implikationen

Operativ

  • Anpassung interner Kontrollprozesse für Exportkontrolle und Sanktionsprüfung.
  • Einrichtung eines kontinuierlichen Monitorings der EU-Amtsblätter, UN-Sanktionslisten und nationaler Veröffentlichungen.
  • Implementierung und Dokumentation von Freigabe- und Prüfschritten bei Exporten von Dual-Use- und Rüstungsgütern, wie im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 vorgesehen.

Strategisch

  • Schaffung einer klaren Governance-Struktur für Sanktions-Compliance.
  • Definition von Verantwortlichkeiten in der Geschäftsführung, inklusive Eskalations- und Entscheidungspfaden.
  • Einbindung der Compliance-Strategie in die Unternehmensführung und Risikoanalyse.

Administrativ

  • Dokumentation aller Entscheidungen, Prüfungen und Freigaben als Nachweis bei Kontrollen oder Ermittlungen.
  • Schulungen für Mitarbeitende zu neuen Pflichten und Sanktionslisten.
  • Erstellung eines Verzeichnisses der betroffenen Unternehmensbereiche und Tochtergesellschaften.

Auswirkungen auf Tochterunternehmen und Muttergesellschaften

  • Tochtergesellschaften im EU-Ausland oder Drittländern, die in den Geltungsbereich der EU-Richtlinie fallen, unterliegen denselben Straf- und Ordnungswidrigkeitenregelungen wie die Muttergesellschaft.
  • Muttergesellschaften tragen die Verantwortung für die Einrichtung, Überwachung und Kontrolle von Compliance-Strukturen in Tochterunternehmen, einschließlich:
    • Implementierung einheitlicher Sanktionsprüfungs- und Genehmigungsprozesse.
    • Einrichtung eines zentralen Monitoring- und Reporting-Systems.
    • Durchführung regelmäßiger Audits und Risikoprüfungen.
    • Sicherstellung der tagesaktuellen Umsetzung neuer EU- und UN-Sanktionslisten, wie im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 vorgegeben.

Novelle des AWG (§§ 18, 19) und 22. AWV-Änderung

  • Definiert Straftaten und Ordnungswidrigkeiten bei Verstößen gegen Embargos, Restriktivmaßnahmen und Genehmigungspflichten.
  • Vorsätzliche Verstöße, leichtfertige Missachtungen sowie Verstöße gegen Meldepflichten bei Dual-Use-Gütern sind strafbar.
  • Die 22. AWV-Änderung konkretisiert die Genehmigungs- und Meldepflichten und integriert die Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27.
  • Bußgelder für Unternehmen steigen auf bis zu 40 Mio. Euro oder fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

zum Nachlesen

Zweiundzwanzigste Verordnung zur Änderung der Außenwirtschaftsverordnung

Bedeutung des § 6a AWG (Treuhandverwaltung)

  • Regelt die Einsetzung eines Treuhänders bei Unternehmen, die mit sanktionierten Personen oder Organisationen in Verbindung stehen.
  • Ermöglicht, Vermögenswerte unter Treuhandverwaltung zu stellen, um rechtliche Risiken zu minimieren.
  • Muttergesellschaften müssen sicherstellen, dass Tochtergesellschaften keine Geschäfte tätigen, die gegen EU- oder UN-Sanktionen verstoßen, wie im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 vorgeschrieben.

EU-Amtsblatt und UN-Sanktionslisten

  • EU-Amtsblatt: Veröffentlichung neuer Sanktionslisten, Verordnungen und Richtlinien; Änderungen gelten unmittelbar, wie im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 festgelegt.
  • UN-Sanktionslisten: Grundlage für EU- und nationale Maßnahmen. Alle in Deutschland tätigen Unternehmen müssen:
    • Geschäftspartner und Transaktionen prüfen.
    • Maßnahmen wie Kontosperrungen oder Meldungen an Behörden durchführen.
  • Verzögerungen werden als Ordnungswidrigkeit oder Straftat gewertet.

Checkliste für Unternehmen

  • Tägliche Überprüfung von EU-Amtsblättern und UN-Sanktionslisten.
  • Anpassung interner Compliance-Handbücher an AWG-Novelle (§§ 18, 19) und 22. AWV-Änderung, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27.
  • Implementierung dokumentierter Freigabeprozesse für Dual-Use- und Rüstungsgüter.
  • Schulung von Geschäftsführung und Mitarbeitenden.
  • Einrichtung einer Zentralstelle für Monitoring und Reporting.
  • Prüfung der Umsetzung in Tochtergesellschaften und Anpassung von Policies.
  • Risikobewertung und Risikomatrix für neue Geschäftskontakte.
  • Aktualisierung von Vertrags- und Lieferantenprüfungen.
  • Dokumentation aller Entscheidungen als Beweislastnachweis.
  • Regelmäßige interne Audits und externe Reviews.

Handlungsempfehlungen

  • Aufbau einer risikobasierten Compliance-Struktur.
  • Einführung eines täglichen Monitoring-Systems für Sanktionslisten.
  • Integration der Compliance-Prozesse in das strategische Risikomanagement.
  • Klare Eskalations- und Entscheidungspfade in Mutter- und Tochtergesellschaften.
  • Kontinuierliche Schulungen und Awareness-Maßnahmen.

Fazit

Die Veröffentlichung des Gesetzes im Bundesgesetzblatt Teil I, Nr. 27 markiert einen entscheidenden Schritt zur Harmonisierung der Strafbarkeit und Sanktionen bei Verstößen gegen EU-Restriktivmaßnahmen in Deutschland. Unternehmen müssen die neuen Anforderungen sofort operationalisieren, um Haftungsrisiken zu minimieren:

  • Sofortige Umsetzung der Compliance- und Monitoring-Prozesse, insbesondere bei Dual-Use- und Rüstungsgütern.
  • Integration in strategische Governance: klare Verantwortlichkeiten, Eskalationspfade und Risikomanagementsysteme.
  • Zentrale Dokumentation und Schulung aller Mitarbeiter, um die Nachweisführung bei Behördenprüfungen zu sichern.
  • Einbindung von Tochtergesellschaften und globalen Geschäftseinheiten, da die Novelle europaweit Wirkung entfaltet.
  • Nutzung der Treuhandverwaltung (§ 6a AWG) zur Minimierung von Rechtsrisiken bei Geschäften mit sanktionierten Partnern.

Unternehmen, die diese Maßnahmen konsequent umsetzen, sichern nicht nur die Rechtskonformität, sondern stärken gleichzeitig ihre operative Resilienz gegenüber dynamischen internationalen Sanktionsregelungen.


Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

Kontaktieren Sie uns – wir freuen uns auf Ihre Anfrage! Gerne über unser Kontaktformular oder direkt per Mail.

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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung

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Zollrecht & Compliance News & Trends

Neue Geldwäschemeldeverordnung
03.02.2026 |
Lesezeit

Neue Geldwäschemeldeverordnung

Am 1. März 2026 tritt die Geldwäschemeldeverordnung erstmals in Kraft. Es handelt sich nicht um …
Neue Geldwäschemeldeverordnung

Am 1. März 2026 tritt die Geldwäschemeldeverordnung erstmals in Kraft. Es handelt sich nicht um eine bloße Änderung bestehender Vorschriften, sondern um eine eigenständige, neue Verordnung, die die Meldung von Verdachtsfällen nach dem Geldwäschegesetz verbindlich regelt und präzisiert.

Bisher wurden Meldungen an die Financial Intelligence Unit (FIU) über das goAML-Portal elektronisch abgegeben. Die FIU ist die zentrale Meldestelle für Geldwäscheverdachtsfälle in Deutschland, die Meldungen analysiert, Risiken bewertet und relevante Informationen an Ermittlungsbehörden weiterleitet. Das goAML-Portal ist das elektronische Meldesystem, das sichere, standardisierte und nachvollziehbare Meldungen ermöglicht. Die neue Verordnung macht die Nutzung des Portals verbindlich.


Wesentliche Neuerungen der Verordnung

  • Verbindliche elektronische Meldung über das goAML-Portal
  • Reduzierte und praxisgerechtere Pflichtangaben
  • Entfall der Möglichkeit der FIU, unvollständige Meldungen zurückzuweisen
  • Anpassungen auf Grundlage der Stellungnahmen der Industrie- und Handelskammern

Unternehmen im Zoll- und Außenhandelsbereich müssen ihre Compliance-Prozesse prüfen und anpassen, um Verdachtsmeldungen korrekt einzureichen und Risiken zu minimieren.


Geldwäsche verstehen

Geldwäsche bezeichnet den Prozess, illegale Vermögenswerte in den regulären Wirtschaftskreislauf zu integrieren.

Drei Kernphasen

  • Platzierung – Einschleusen illegaler Gelder in legale Kanäle
  • Verschleierung – Nutzung komplexer Strukturen wie Offshore-Gesellschaften oder Briefkastenfirmen.
    • Offshore-Gesellschaften: Unternehmen in Steuerparadiesen wie Cayman Islands, British Virgin Islands, Jersey, Guernsey, Panama oder Luxemburg, oft genutzt zur Verschleierung von Eigentum oder Steuerpflichten.
    • Briefkastenfirmen: Firmen ohne operative Tätigkeit, dienen zur Verschleierung von Eigentumsverhältnissen oder Transaktionen.
    • Tipps zur Erkennung: unerklärte Eigentümerwechsel, mehrere Zwischenhändler ohne Substanz, abweichende Rechnungsadressen, komplexe Zahlungsströme, ungewöhnliche Handelsrechnungen.
  • Integration – Rückführung der Mittel in den regulären Wirtschaftskreislauf

Praxisbeispiele für Zoll und Außenhandel

Umlagerungen in Zolllagern, Krypto-Transaktionen, Über- oder Unterfakturierung bei Exporten, Lieferungen über Offshore- oder Briefkastenfirmen, Handel mit Hochwertwaren wie Luxusgütern oder Edelmetallen.


Wer ist betroffen und wann?

Das Geldwäschegesetz gilt für eine breite Unternehmensgruppe: Finanzinstitute, Zahlungsdienstleister, Versicherungen, Rechtsanwälte, Steuerberater, Bauträger, Immobilienmakler, Glücksspielanbieter und Unternehmen im Außenhandel.

Auslöser für Pflichten

  • Neue Geschäftsbeziehungen, die eine Know Your Customer-Prüfung (KYC) erfordern: Identifikation, Verifizierung und Risikobewertung von Geschäftspartnern, inklusive Prüfung wirtschaftlich Berechtigter, PEPs, Hochrisikoländern und Sanktionslisten.
  • Verdacht auf illegale Vermögensherkunft (§ 43 GwG)
  • Bargeld- oder grenzüberschreitende Zahlungen ab definierten Beträgen (Deutschland 10.000 Euro, EU-Vergleich 500–15.000 Euro je Land)

Hochrisikoländer und politisch exponierte Personen (PEPs)

  • Länder: Afghanistan, Nordkorea, Iran, Syrien, Libyen, Jemen, Simbabwe, Myanmar
  • PEPs: Amtsträger oder ehemalige Amtsträger, enge Angehörige oder Geschäftspartner, die ein höheres Geldwäscherisiko aufweisen

Prüfung von PEPs

  • Definition anhand öffentlicher Quellen, Medien, Unternehmensstrukturen
  • Risikoanalyse nach Herkunftsland, Art der Geschäftsbeziehung und Transaktionsvolumen
  • Nutzung kommerzieller PEP-Datenbanken (z. B. World-Check, LexisNexis)
  • Kontinuierliche Überwachung von Transaktionen, insbesondere bei Hochrisikoländern
  • Dokumentation und, falls erforderlich, Meldung an die FIU

Wirtschaftlich Berechtigte & Transparenzregister

  • Wirtschaftlich Berechtigte (§ 3 GwG): Personen mit letztendlicher Kontrolle oder Eigentum über ein Unternehmen
  • Transparenzregister: Zentrales Register zur Offenlegung dieser Personen. Unternehmen müssen die Eintragungen aktuell halten, um Geldwäscherisiken zu minimieren

Praktische Checkliste

  • Know Your Customer-Prüfungen (KYC): Geschäftspartner identifizieren, wirtschaftlich Berechtigte prüfen, PEP-Status und Hochrisikoländer beachten.
  • PEP-Prüfung: Definition, Risikoeinstufung, Datenbanken nutzen, laufende Überwachung, Dokumentation.
  • Verdachtsmeldungen über goAML-Portal: Pflichtangaben vollständig und korrekt ausfüllen.
  • Bargeld- und grenzüberschreitende Zahlungen überwachen: Schwellenwerte beachten (Deutschland 10.000 €, EU-Vergleich 500–15.000 €).
  • Hochrisikoländer beachten: Verstärkte Sorgfaltspflichten bei Transaktionen aus/in diese Länder.
  • Offshore-Gesellschaften prüfen: Abgleich mit Transparenzregister, Eigentümerstruktur analysieren, Steuerparadiese wie Cayman Islands, Panama oder Luxemburg berücksichtigen.
  • Briefkastenfirmen erkennen: Firmen ohne operative Tätigkeit erkennen, Zwischenschaltung überprüfen.
  • Transparenzregister pflegen: Aktuelle Einträge aller wirtschaftlich Berechtigten sicherstellen.
  • Komplexe Lieferstrukturen analysieren: Zahlungsströme nachvollziehen, mehrere Zwischenhändler prüfen, Plausibilität von Rechnungen und Lagerbewegungen kontrollieren.
  • Schulungen und Dokumentation: Mitarbeiter sensibilisieren, Prozesse regelmäßig prüfen, interne Kontrollsysteme stärken.

Lage in Deutschland und aktuelle Zahlen

  • Verdachtsmeldungen 2024: >265.000
  • Analyseberichte: >87.000
  • Krypto-bezogene Meldungen: ca. 3,3 %
  • Trend: steigende Bedeutung von Kryptowerten, qualitative Verbesserung, internationale Ermittlungen
  • Anteil am globalen Geldwäschevolumen: ca. 3 % des BIP, 17 % des EU-Gesamtvolumens

Fazit: Geldwäscheprävention als strategischer Erfolgsfaktor

Die Geldwäschemeldeverordnung 2026 verdeutlicht, dass Compliance kein bürokratischer Aufwand, sondern strategischer Wettbewerbsvorteil ist. Unternehmen, die Prozesse frühzeitig anpassen, sichern sich Rechtskonformität, Transparenz und wirtschaftliche Stabilität.

Kernaussagen

  • Know Your Customer-Prüfungen, wirtschaftlich Berechtigte und PEP-Prüfung sind zentral
  • Bargeld- und grenzüberschreitende Zahlungen ab Schwellenwerten prüfen und melden
  • Hochrisikoländer, Offshore-Gesellschaften, Briefkastenfirmen und komplexe Lieferstrukturen erfordern verstärkte Sorgfalt
  • Transparenzregister und goAML-Portal sind unverzichtbar

Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

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CBAM‑Einfuhren durch Schweizer Lieferanten: Was sich jetzt ändert
30.01.2026 |
Lesezeit

CBAM‑Einfuhren durch Schweizer Lieferanten: Was sich jetzt ändert

Über viele Jahre konnten Schweizer Unternehmen im grenznahen Bereich eigene Zollanmeldungen in …
CBAM‑Einfuhren durch Schweizer Lieferanten: Was sich jetzt ändert

Über viele Jahre konnten Schweizer Unternehmen im grenznahen Bereich eigene Zollanmeldungen in Deutschland abgeben, obwohl sie nicht in der EU ansässig sind. Diese Praxis wurde nicht nur für Lieferungen nach Deutschland genutzt, sondern auch, um durch geschickte Gestaltung – insbesondere über das 42er‑Verfahren (steuerbefreite Einfuhr mit anschließender innergemeinschaftlicher Lieferung) – Waren für den gesamten EU‑Binnenmarkt einzuführen, ohne dass ein EU‑ansässiger Importeur auftreten musste.

Damit konnten Schweizer Unternehmen Zollprozesse eigenständig steuern, logistisch optimieren und ihren EU‑Kunden ein attraktives DDP‑Modell anbieten: Die Ware wurde vollständig verzollt und einfuhrumsatzsteuerbefreit in die EU geliefert, ohne dass der EU‑Kunde operativ in die Importprozesse eingebunden war.

Was sich nun ändert – und warum die Praxis endet

Mit CBAM endet diese Praxis für CBAM‑Waren:

Einige grenznahe Zollstellen informierten in einem Schreiben an betroffene Unternehmen, dass ab dem 02.02.2026 Zollanmeldungen mit Waren, die unter die CBAM-VO fallen, und bei denen der Anmelder nicht in einem EU-Mitgliedstaat ansässig ist, zurückgewiesen werden.

Der Einführer muss in der EU ansässig sein; ist dies nicht der Fall, kann nur ein indirekter Zollvertreter in der EU handeln – und dieser muss selbst zugelassener CBAM‑Anmelder sein. Damit wird diese praktikable Lösung faktisch abgeschnitten; DDP‑Lieferungen durch Schweizer Unternehmen ohne EU‑Einführer bzw. ohne zugelassenen indirekten Vertreter sind nicht mehr zulässig.

Die 50‑Tonnen‑De‑minimis‑Schwelle befreit EU‑ansässige Einführer zwar grundsätzlich von CBAM‑Pflichten; indirekte Zollvertreter benötigen jedoch unabhängig von der Menge eine Zulassung – damit werden Zertifikate ab dem ersten Kilogramm relevant. Eine praktikable Alternative ist, dass der EU‑Warenempfänger selbst als Einführer auftritt und die Schwelle ggf. nutzt.


Warum die 50‑t‑Schwelle Schweizer Lieferanten kaum noch hilft

Viele Schweizer Lieferanten beriefen sich bislang darauf, unter 50 t/Jahr zu bleiben – und sahen sich daher praktisch entlastet. Das ändert sich grundlegend, sobald wegen der EU‑Ansässigkeit ein indirekter Vertreter eingeschaltet wird.

Zur Verdeutlichung der Systematik dient folgender Kontext:
Die De‑minimis‑Schwelle bezieht sich auf den Einführer; indirekte Zollvertreter benötigen die Zulassung immer, d. h. auch bei Kleinstmengen. Tatsächlich wird dadurch die Schwelle ausgehebelt, wenn Schweizer Unternehmen nicht (mehr) selbst als Einführer auftreten dürfen. In dieser Konstellation werden CBAM‑Zertifikate ab dem ersten Kilogramm relevant – und zwar beim handelnden indirekten Vertreter.

Eine Alternative besteht darin, dass der EU‑Warenempfänger die Einfuhr selbst vornimmt. Bleibt dessen Jahresgesamtmenge an CBAM‑Waren unter 50 t, greifen die Erleichterungen weiterhin – unter Beachtung der ordnungsgemäßen Zollanmeldung (inkl. TARIC‑Codierungen) und der DEHSt‑Vorgaben.


Was die SW Zoll‑Beratung jetzt leistet

Die effiziente, rechtsichere Zoll‑Abwicklung ist ein elementarer Baustein wirtschaftlichen Erfolgs. SW Zoll‑Beratung unterstützt mit klaren, verständlichen Lösungen – von der strategischen Bewertung über die operative Umsetzung bis zu Schulungen für Einkauf, Logistik und Compliance. Als agiler Full‑Service‑Partner sorgen wir persönlich, digital oder vor Ort für Stabilität in einem dynamischen Umfeld.


Sie erhalten bisher Waren DDP von Ihren Schweizer Lieferanten? Dieser kann es nun kurzfristig nicht mehr, sodass Sie den Import selbst stemmen müssen? Sprechen Sie uns an!

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Exportkontrolle von Rüstungs- und Dual-Use-Gütern
30.01.2026 |
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Exportkontrolle von Rüstungs- und Dual-Use-Gütern: Maßnahmenpaket zur Beschleunigung und Vereinfachung tritt zum 1. Februar in Kraft

Zum 1. Februar 2026 wird ein umfangreiches Maßnahmenpaket wirksam, das die Exportkontrolle für …
Exportkontrolle von Rüstungs- und Dual-Use-Gütern

Zum 1. Februar 2026 wird ein umfangreiches Maßnahmenpaket wirksam, das die Exportkontrolle für Rüstungs- und Dual-Use-Güter grundlegend modernisiert. Die Anpassungen verfolgen das Ziel, Genehmigungsprozesse effizienter zu gestalten, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Unternehmen von administrativen Hürden zu entlasten, ohne die hohen sicherheitspolitischen Prüfanforderungen zu reduzieren. Für Zoll- und Exportkontrollverantwortliche eröffnet sich damit eine neue Phase der Verfahrensvereinfachung, die sowohl operative Prozesse als auch strategische Entscheidungen betrifft.


Zielsetzung und Hintergrund des Maßnahmenpakets

Die Reform wurde in enger Abstimmung zwischen dem zuständigen Bundesministerium und dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle entwickelt. Sie reagiert auf die steigenden Anforderungen an eine moderne, risikoorientierte Exportkontrollpraxis. Im Mittelpunkt stehen eine stärkere Fokussierung auf sicherheitsrelevante Vorgänge, mehr Transparenz in der Genehmigungspraxis und optimierte Abläufe bei Projekten mit europäischem Bezug.

Damit wird ein regulatorischer Rahmen geschaffen, der den wirtschaftlichen Bedürfnissen global agierender Unternehmen Rechnung trägt und zugleich den weiterhin hohen Anspruch der Exportkontrolle wahrt. Bürokratie wird gezielt abgebaut, um staatliche Ressourcen dort einzusetzen, wo eine vertiefte Bewertung erforderlich ist.


Weiterentwicklung der Allgemeinen Genehmigungen

Ein zentraler Bestandteil der Reform ist die Erweiterung und Aktualisierung der Allgemeinen Genehmigungen. Diese Genehmigungen ermöglichen die Ausfuhr oder Verbringung bestimmter Gütergruppen ohne einen individuellen Antrag, sofern definierte Voraussetzungen erfüllt sind.

Die Anpassungen dienen dazu, standardisierte Vorgänge schneller und sicherer abwickeln zu können. Unternehmen erhalten dadurch mehr Stabilität in ihren Lieferketten, während die Behörden Kapazitäten für komplexere Einzelfälle freispielen.


Erleichterungen für europäische Zusammenarbeit und digitalen Technologietransfer

Ein weiterer Schwerpunkt des Maßnahmenpakets liegt auf der verbesserten Abwicklung grenzüberschreitender Kooperationen, insbesondere innerhalb Europas. Die zunehmende Bedeutung gemeinsamer Verteidigungsprojekte und digitaler Entwicklungsstrukturen erfordert klare und praktikable Regelungen.

Zur Umsetzung dieses Ziels werden unter anderem innereuropäische Technologietransfers, konzerninterne Wissensübermittlungen und cloudbasierte Datenverarbeitung stärker erleichtert. Durch diese Ausrichtung wird die Handlungsfähigkeit von Unternehmen gestärkt, die auf reibungslose internationale Zusammenarbeit angewiesen sind.


Stärkere Entscheidungskompetenzen des BAFA

Um Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und die behördliche Praxis effizienter zu gestalten, wurden die Zuständigkeiten des BAFA gezielt erweitert. Dies ermöglicht in vielen Fällen eine zügigere Bearbeitung, insbesondere wenn Transfers innerhalb der Europäischen Union oder innerhalb von Konzernstrukturen betroffen sind.

Die erweiterte Entscheidungsbefugnis trägt dazu bei, Wartezeiten zu reduzieren und langfristige Projektplanungen zu vereinfachen. Gleichzeitig bleibt die risikobasierte Bewertung ein zentraler Bestandteil der Genehmigungsentscheidung.


Neues Verfahren für Gemeinschaftsprojekte

Projekte mit europäischer oder multinationaler Beteiligung profitieren künftig zusätzlich von einer neu geschaffenen Verfahrensart. Die sogenannte Sondergenehmigung soll den Aufwand für nationale Teilnehmer an anerkannten Gemeinschaftsprojekten deutlich verringern. Damit wird ein Instrument etabliert, das komplexe Vorhaben besser unterstützt und den administrativen Aufwand nachhaltig reduziert.


Detaillierte Änderungen der Allgemeinen Genehmigungen

Die folgenden Anpassungen konkretisieren die Weiterentwicklung des AGG‑Systems und zeigen, welche Erleichterungen Unternehmen künftig nutzen können:

  • Es wird eine neue Allgemeine Genehmigung geschaffen, die die Verbringung und Ausfuhr von Technologie und Software im Zusammenhang mit dem Europäischen Verteidigungsfonds abdeckt.
  • Der Umgang mit technologischem Datenmaterial wird erleichtert, indem Upload und Speicherung auf bestimmten europäischen Serverstandorten klar definiert und rechtssicher ausgestaltet werden.
  • Die Allgemeine Genehmigung Nr. 21 erhält einen erweiterten Anwendungsbereich und kann künftig verstärkt für Schutzausrüstung genutzt werden.
  • Aufgrund des Beitritts des Vereinigten Königreichs zu einem internationalen Kontrollabkommen wird die Allgemeine Genehmigung Nr. 28 auf Ausfuhren in dieses Land ausgeweitet.
  • Die Allgemeine Genehmigung Nr. 24 umfasst künftig zusätzliche Länder für vorübergehende Ausfuhren und Verbringungen.
  • Die Allgemeine Genehmigung Nr. 17 wird ergänzt, indem bestimmte Laser aufgenommen werden, die im Rahmen einer internationalen Entscheidung künftig nicht mehr im Anhang I der EU‑Dual‑Use‑Verordnung gelistet sind.

Fazit

Das neue Maßnahmenpaket zur Exportkontrolle markiert einen bedeutenden Schritt hin zu effizienteren, transparenteren und moderneren Genehmigungsprozessen. Durch die Kombination aus erweiterten Allgemeinen Genehmigungen, erleichterten Technologietransfers, klareren Rahmenbedingungen für europäische Kooperationen und gestärkten Entscheidungsbefugnissen des BAFA entsteht ein Regelwerk, das auf die Anforderungen global vernetzter Wertschöpfungsketten zugeschnitten ist. Unternehmen erhalten mehr Planungssicherheit, während Behörden ihre Ressourcen gezielter auf sicherheitsrelevante Vorgänge konzentrieren können.

Für Verantwortliche im Zoll- und Außenhandelsumfeld bedeutet dies eine Phase der Neuorientierung: Prozesse müssen angepasst, interne Kontrollsysteme aktualisiert und neue Handlungsspielräume bewertet werden. Die Reform zeigt, dass sich regulatorische Rahmenbedingungen weiterhin dynamisch entwickeln – und dass kontinuierliche Expertise notwendig bleibt, um Chancen frühzeitig zu erkennen und Risiken zuverlässig zu steuern.

Eine fundierte, fachkundige Begleitung bietet hierbei einen entscheidenden Mehrwert. Mit einer starken Mischung aus Erfahrung, Vernetzung und agiler Beratung unterstützt die SW Zoll‑Beratung dabei, Exportkontrollprozesse rechtskonform, effizient und zukunftssicher auszurichten.


Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

Kontaktieren Sie uns – wir freuen uns auf Ihre Anfrage! Gerne über unser Kontaktformular oder direkt per Mail.

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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung

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News & Trends

Neue EU‑Erläuterung zur KN‑Position 8504 40 84
30.01.2026 |
Lesezeit

Neue EU‑Erläuterung zur KN‑Position 8504 40 84: Was sich für die Tarifierung von PV‑Wechselrichtern 2026 ändert

Mit der Veröffentlichung des Amtsblatts C/2026/220 vom 8. Januar 2026 hat die Europäische Union …
Neue EU‑Erläuterung zur KN‑Position 8504 40 84

Mit der Veröffentlichung des Amtsblatts C/2026/220 vom 8. Januar 2026 hat die Europäische Union eine wichtige Ergänzung der Erläuterungen zur Kombinierten Nomenklatur (KN) vorgenommen. Diese Änderung betrifft Photovoltaik‑Wechselrichter mit MPP‑Tracking – ein zentrales Bauteil moderner PV‑Anlagen.

Für Hersteller, Importeure, Installationsbetriebe und Zollverantwortliche ist diese Ergänzung relevant, weil die Erläuterungen eine verbindliche Auslegungshilfe für die zolltarifliche Einreihung darstellen.

In diesem Beitrag fassen wir die Neuerungen zusammen, erläutern ihre praktische Bedeutung und geben Handlungsempfehlungen.


Hintergrund: Warum die Änderung wichtig ist

Die Kombinierte Nomenklatur bildet die Grundlage für die zolltarifliche Einreihung sämtlicher Waren, die in die EU eingeführt werden. Änderungen in den KN‑Erläuterungen wirken sich:

  • auf die Tarifnummer (EU‑Zolltarif),
  • auf die Zollabgaben,
  • auf handelspolitische Maßnahmen (z. B. Überwachungsmaßnahmen, Antidumping)
  • und auf die Dokumentationspflichten aus.

Mit den neuen Erläuterungen präzisiert die EU, welche Produkte eindeutig unter die Unterposition 8504 40 84 fallen.


Neue Erläuterung zur KN‑Unterposition 8504 40 84

Die EU ergänzt auf Seite 347 der Erläuterungen eine neue Warendefinition.

Betroffen: Wechselrichter mit Maximum Power Point (MPP)-Tracking-Funktion

Laut Amtsblatt gehören zu dieser Position künftig ausdrücklich jene Geräte, die:

  • in Photovoltaikanlagen eingesetzt werden,
  • den von PV‑Modulen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln,
  • über eine Funktion verfügen, die die Leistungsabgabe kontinuierlich optimiert, indem sie sich an Sonnenlicht und Umweltbedingungen anpasst (“Maximum Power Point”, MPP).

Das Dokument betont, dass MPP‑Wechselrichter sich aufgrund dieser Funktion deutlich von anderen, konventionellen Wechselrichtern unterscheiden.

Normative Anforderung

Zudem verweist die EU auf die Sicherheitsnorm CEN/EN 62109, welche für Stromumwandlungsgeräte in Photovoltaikanlagen gilt.


Praktische Bedeutung für die Tarifierung

Klare Abgrenzung zu anderen Wechselrichtern

Durch die neue Erläuterung entsteht eine eindeutige Zuordnung:

Dies schafft Klarheit für Fälle, in denen der PV‑Bezug zwar technisch vorhanden, aber zolltariflich nicht ausreichend dokumentiert war.


Bedeutung für Importeure

Für Importeure heißt das:

  • Produktdatenblätter müssen das Vorhandensein des MPP‑Trackings klar ausweisen.
  • Technische Unterlagen sollten PV‑Eignung und Normkonformität dokumentieren.
  • Im Unternehmen sollte geprüft werden, ob bisher genutzte Tarifierungen weiterhin korrekt sind.

Auswirkungen für die Lieferkette & Compliance

Hersteller / Lieferanten

müssen sicherstellen, dass die technische Dokumentation die funktionale Abgrenzung (MPP‑Tracking) eindeutig darstellt.

Zollverantwortliche

erhalten eine verlässliche Grundlage für die Einreihung in die 8504 40 84.

Prüfdienstleister

müssen bei Prüfberichten die Normkonformität nach CEN/EN 62109 berücksichtigen.

Da PV‑Technologie eine Schlüsselrolle bei der Energiewende spielt, ist davon auszugehen, dass die EU die KN‑Strukturen in den kommenden Jahren weiter verfeinern wird.


Lieferantenkommunikation aktiv prüfen

Gerade bei asiatischen Herstellern können Produktbeschreibungen unpräzise sein.

Interne Zollprozesse aktualisieren

Neue Produktkategorien ggf. im Warenstamm anpassen.


Fazit

Mit C/2026/220 schafft die EU transparente und praxisnahe Klarheit für die Einreihung von Photovoltaik‑Wechselrichtern.

Die eindeutige Zuordnung zu 8504 40 84 auf Basis des MPP‑Trackings ist ein wichtiger Schritt für eine einheitliche Tarifierungspraxis in der gesamten EU.


Zum Nachlesen Amtsblatt der EU C/2026/220

C/2026/220

Was die SW Zoll‑Beratung jetzt leistet

Die effiziente, rechtsichere Zoll‑Abwicklung ist ein elementarer Baustein wirtschaftlichen Erfolgs. SW Zoll‑Beratung unterstützt mit klaren, verständlichen Lösungen – von der strategischen Bewertung über die operative Umsetzung bis zu Schulungen für Einkauf, Logistik und Compliance. Als agiler Full‑Service‑Partner sorgen wir persönlich, digital oder vor Ort für Stabilität in einem dynamischen Umfeld.

Kontaktieren Sie uns – wir freuen uns auf Ihre Anfrage! Gerne über unser Kontaktformular oder direkt per Mail.

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Autor: Tim Mayer - Leiter Training & Beratung

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News & Trends Zollverfahren & Abwicklung

Blogserie US-(Re-)Exportkontrolle – Teil 2 Was sind die Export Administration Regulations (EAR)
28.01.2026 |
Lesezeit

Blogserie US-Re-Exportkontrolle – Teil 2: Was sind die Export Administration Regulations (EAR)?

Im ersten Teil dieser Blogserie haben wir den Begriff der US-Re-Exportkontrolle grundlegend …
Blogserie US-(Re-)Exportkontrolle – Teil 2 Was sind die Export Administration Regulations (EAR)

Im ersten Teil dieser Blogserie haben wir den Begriff der US-Re-Exportkontrolle grundlegend erklärt. Nun widmen wir uns dem zentralen Regelwerk, das dieser Kontrolle zugrunde liegt: den Export Administration Regulations (EAR). Dieses Regelwerk bildet die rechtliche Basis für die Kontrolle von US-Gütern und Technologien auch außerhalb der Vereinigten Staaten.


Was sind die EAR?

Die Export Administration Regulations (EAR) sind ein umfassendes Regelwerk der US-Regierung zur Kontrolle von Exporten und Re-Exporten. Sie gelten für:

  • Güter mit US-Ursprung
  • Software und Technologie mit US-Bezug
  • Produkte, die unter Verwendung US-amerikanischer Technologie hergestellt wurden

Die EAR regeln nicht nur den Export aus den USA, sondern auch die Re-Exporte aus Drittstaaten sowie die Weitergabe innerhalb eines Landes, sofern ein US-Bezug besteht.


Ziel und Anwendungsbereich der EAR

Die EAR dienen dem Schutz der nationalen Sicherheit, der Außenpolitik und der wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten. Sie sollen verhindern, dass sensible Technologien in Länder oder an Personen gelangen, die aus Sicht der USA ein Risiko darstellen.

Die Vorschriften gelten für:

  • Dual-Use-Güter: Produkte mit ziviler und militärischer Verwendung
  • Technologie und Software: insbesondere bei digitaler Weitergabe oder Cloud-Nutzung
  • Kritische Endverwendungen: z. B. militärische Nutzung, Überwachung, Nukleartechnik

Struktur des Regelwerks

Das EAR-Regelwerk ist im Title 15, Code of Federal Regulations (CFR), Parts 730–774 verankert. Es umfasst unter anderem:

  • Teil 730–734: Allgemeine Informationen und Anwendungsbereich
  • Teil 736: Allgemeine Verbote
  • Teil 740: Lizenz-Ausnahmen
  • Teil 744: Endverwendungs- und Endverwenderkontrollen
  • Teil 746: Embargos und besondere Maßnahmen

Wer muss die EAR beachten?

Die EAR gelten nicht nur für US-Personen und Unternehmen, sondern auch für:

  • Nicht-US-Unternehmen weltweit, wenn ein US-Bezug vorliegt
  • Tochtergesellschaften von US-Firmen
  • Internationale Lieferketten, in denen US-Technologie oder Software enthalten ist
  • Forschungseinrichtungen, die mit US-Daten oder Algorithmen arbeiten
  • Cloud-Dienste, die US-basierte Inhalte global bereitstellen

10 Praxisbeispiele zur Anwendung der EAR

  • Re-Export von US-Komponenten
    Ein deutsches Unternehmen verbaut US-Chips in Maschinen und liefert diese nach Brasilien.
  • Nutzung von US-Software
    Ein deutscher Cloud-Anbieter integriert US-Software in seine Plattform und bietet diese weltweit an.
  • Herstellung mit US-Technologie
    Ein deutsches Tochterunternehmen eines US-Konzerns produziert Geräte mit US-Konstruktionsdaten.
  • Weitergabe innerhalb Deutschlands
    Ein deutsches Unternehmen überträgt US-Technologie an einen chinesischen Geschäftspartner.
  • Lieferung in ein Embargoland
    Ein deutsches Unternehmen liefert ein Produkt mit US-Software nach Iran.
  • Technologietransfer an ausländische Mitarbeiter
    Ein US-Unternehmen mit Sitz in Deutschland gibt technische Daten an einen russischen Mitarbeiter weiter.
  • Cloud-Zugriff auf US-Daten
    Ein deutsches Unternehmen speichert US-Technologie in einer Cloud, auf die auch Nutzer aus China zugreifen.
  • Lizenzierte Software mit US-Quellcode
    Ein deutsches Unternehmen vertreibt eine Software mit US-Quellcode in Afrika.
  • Forschung mit US-Technologie
    Ein deutsches Institut nutzt US-Algorithmen in einem Projekt mit Partnern aus Indien.
  • Schulung mit US-Know-how
    Ein deutsches Unternehmen schult ausländische Kunden mit US-basierten technischen Unterlagen.

Fazit: EAR als Fundament der US-Re-Exportkontrolle

Die Export Administration Regulations sind das Herzstück der US-Re-Exportkontrolle. Sie definieren, wann ein Produkt als US-kontrolliert gilt und unter welchen Bedingungen eine Genehmigung erforderlich ist. Für Unternehmen im internationalen Handel ist es essenziell, die Grundstruktur und Wirkweise der EAR zu kennen unabhängig davon, ob sie direkt mit den USA Geschäfte machen oder nicht.


SW Zoll-Beratung – Ihr Partner für sichere Entscheidungen im Umgang mit den EAR

Die Export Administration Regulations (EAR) sind komplex, vielschichtig und oft schwer zu interpretieren insbesondere für Unternehmen außerhalb der USA. Die SW Zoll-Beratung unterstützt Sie gezielt dabei, die Anforderungen der EAR zu verstehen und rechtskonform umzusetzen.

Unsere Leistungen im Bereich EAR umfassen:

  • Identifikation von US-Bezügen: Wir prüfen, ob Ihre Produkte, Software oder Technologien unter die EAR fallen – z. B. durch US-Ursprung, Technologieeinsatz oder Lizenzverträge.
  • Bewertung von Re-Export-Szenarien: Wir analysieren, ob Ihre internationalen Liefer- oder Weitergabevorgänge genehmigungspflichtig sind und welche Risiken bestehen.
  • Entwicklung von EAR-konformen Prozessen: Gemeinsam mit Ihnen erarbeiten wir interne Abläufe, Entscheidungslogiken und Dokumentationsstandards, die den Anforderungen der EAR gerecht werden.
  • Schulungen und Sensibilisierung: Wir vermitteln praxisnahes Wissen zu EAR-relevanten Themen von Grundlagen bis zu Spezialfällen und stärken das Bewusstsein Ihrer Fachabteilungen für US-Exportrecht.

Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung

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News & Trends

Das neue Sanktionsstrafrecht in Deutschland
23.01.2026 |
Lesezeit

Das neue Sanktionsstrafrecht in Deutschland: Auswirkungen der EU-Richtlinie 2024/1226 auf Unternehmen und Compliance

Mit der Verabschiedung der EU-Richtlinie 2024/1226 erfährt das deutsche Sanktionsstrafrecht eine …
Das neue Sanktionsstrafrecht in Deutschland

Mit der Verabschiedung der EU-Richtlinie 2024/1226 erfährt das deutsche Sanktionsstrafrecht eine grundlegende Verschärfung. Ziel dieser Maßnahme ist die Harmonisierung der Strafverfolgung bei Verstößen gegen EU-Restriktivmaßnahmen innerhalb der Mitgliedstaaten. Dabei werden nicht nur vorsätzliche Verstöße, sondern zunehmend auch organisatorische Defizite und unzureichende Compliance-Strukturen in den Fokus gerückt. Die Novellierung des deutschen Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) bildet den nationalen Umsetzungskorridor für die Richtlinie und soll künftig eine einheitliche Ahndung von Verstößen gewährleisten.


EU-Richtlinie 2024/1226: Hintergrund und Zielsetzung

Die Richtlinie (EU) 2024/1226, die am 24. April 2024 verabschiedet und am 29. April 2024 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht wurde, verfolgt das Ziel, die Strafbarkeit von Verstößen gegen EU‑Restriktivmaßnahmen europaweit zu harmonisieren. Sie bildet zugleich einen zentralen Orientierungsrahmen für die Novelle des Außenwirtschaftsgesetzes (AWG) und definiert Standards, die künftig maßgeblich für die Ausgestaltung wirksamer Compliance‑Systeme in Unternehmen sein werden.

Kernpunkte der Richtlinie:

  • die Strafbarkeit vorsätzlicher sowie leichtfertiger Verstöße
  • die Einführung verbindlicher Mindeststrafrahmen
  • die Festlegung spezifischer Organisations‑ und Präventionspflichten für Unternehmen

Die EU‑Mitgliedstaaten waren verpflichtet, die Vorgaben bis zum 20. Mai 2025 in nationales Recht zu überführen. Deutschland hat diese Frist formal jedoch nicht vollständig eingehalten, arbeitet aber an der entsprechenden Umsetzung.


22. AWV‑Änderung: Bezug zur EU‑Richtlinie 2024/1226

Mit der 22. Verordnung zur Änderung der Außenwirtschaftsverordnung (AWV), veröffentlicht im Bundesgesetzblatt am 31. Oktober 2025 und in Kraft getreten am 1. November 2025, wurden europarechtliche Vorgaben in deutsches Recht umgesetzt und nationale Regelungen zu Sanktions- und Exportkontrollen angepasst.

Kernpunkte der Novelle sind:
  • Anpassung der Bußgeldregelungen für Verstöße gegen EU-Sanktionspakete, insbesondere gegenüber Russland und Belarus.
  • Erweiterung der Ordnungswidrigkeitstatbestände und klarere Regelungen zu Genehmigungspflichten, Ausfuhrlisten sowie Dual‑Use- und Rüstungsgütern.
  • Konkretisierung der Pflichten für Unternehmen und Berater, die mit sanktionierten Personen oder Gütern umgehen.

Die 22. AWV-Änderung steht im direkten Zusammenhang mit der EU-Richtlinie 2024/1226, die die Mitgliedstaaten verpflichtet, einheitliche Mindeststandards für die Strafbarkeit und Sanktionierung von Verstößen gegen EU-Restriktivmaßnahmen zu schaffen. Während die Richtlinie den rechtlichen Rahmen vorgibt, setzt die AWV-Änderung die Vorgaben der EU-Sanktionsverordnungen konkret in nationales Recht um und ergänzt sie um ordnungswidrigkeits- und bußgeldrechtliche Aspekte, die zuvor nicht abschließend geregelt waren.

Unternehmen und exportkontrollpflichtige Stellen müssen die aktualisierte AWV als verbindliche Grundlage für Genehmigungspflichten, Meldepflichten und Bußgeldregelungen beachten. Die Novelle verdeutlicht, wie eng EU-Sanktionsrecht und nationales Vollzugsrecht miteinander verzahnt sind und dass die Einhaltung aktueller EU-Veröffentlichungen unmittelbar relevant ist.


AWG‑Novelle: Aktueller Stand

Die Novellierung des Außenwirtschaftsgesetzes erweitert die bestehenden straf- und ordnungswidrigkeitsrechtlichen Tatbestände erheblich. Leichtfertige Verstöße, insbesondere gegen Melde- und Genehmigungspflichten im Zusammenhang mit Dual-Use-Gütern, werden künftig strafbar. Rechtsanwälte, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater sind hiervon aufgrund gesetzlicher Verschwiegenheitspflichten ausgenommen. Zugleich entfällt die bisher geltende Zweitagesfrist für die Umsetzung neuer Embargo- oder Personenlisten, sodass Unternehmen verpflichtet sind, Änderungen bereits am Tag nach Veröffentlichung umzusetzen.

Hinsichtlich der Sanktionen wird das bisherige System angepasst, wobei die maximalen Bußgelder für Unternehmen von bislang 500.000 Euro auf bis zu 40 Millionen Euro oder fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes ansteigen. Die Strafandrohungen für natürliche Personen bleiben weitgehend unverändert, Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren sind weiterhin möglich, wobei geringe Haftstrafen in Geldstrafen umgewandelt werden können.

Aktueller Umsetzungsstand

Die AWG-Novelle befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren und ist Stand Januar 2026 noch nicht rechtskräftig. EU-Sanktionsverordnungen gelten jedoch unmittelbar und müssen bereits umgesetzt werden. Die Novelle wird insbesondere die strafrechtliche Bewertung von leichtfertigen Verstößen und die Bußgeldpraxis erheblich verschärfen.


Strafbarkeit, Jedermannspflicht und Dual-Use-Güter

Die AWG-Novelle verschärft die strafrechtliche Bewertung von Verstößen erheblich. Neben vorsätzlichen Verstößen werden nun auch leichtfertige Missachtungen von Genehmigungs- oder Meldepflichten unter Strafe gestellt. Die Jedermannspflicht verpflichtet Unternehmen, eingefrorene Vermögenswerte unverzüglich zu melden, wobei beruflich Verschwiegenheitsberechtigte ausgenommen sind. Verstöße gegen die Verpflichtung, von Dritten bekannte Verstöße zu melden, bleiben Ordnungswidrigkeiten, allerdings mit hohem Bußgeldpotenzial.

Im Bereich der Dual-Use-Güter ist die strafrechtliche Relevanz besonders hoch: Leichtfertige Verstöße, etwa aufgrund unzureichender Organisation oder fehlender interne Freigaben, können Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren nach sich ziehen. Unternehmen sind daher verpflichtet, interne Kontroll- und Freigabeprozesse zu implementieren und zu dokumentieren.


Aufsichtspflichten, Sanktionen und Compliance

Die Novelle stärkt die Verantwortung der Unternehmensleitung. Leitende Personen tragen die Pflicht, angemessene organisatorische Maßnahmen zu implementieren und die Einhaltung von EU- und nationalen Vorschriften sicherzustellen. Die Dokumentation von Prozessen und Entscheidungen kann im Falle von Verstößen als strafmildernd wirken.

Unternehmen, die ihre Compliance-Strukturen vernachlässigen, riskieren sowohl hohe Geldbußen als auch strafrechtliche Sanktionen für verantwortliche Personen. Freiheitsstrafen für natürliche Personen und Bußgelder für Unternehmen bis zu 40 Mio. Euro oder fünf Prozent des weltweiten Umsatzes verdeutlichen die verschärfte Rechtslage.


Personenembargos

Personenembargos betreffen die Sperrung von Konten, Vermögen und Transaktionen einzelner gelisteter Personen. Nach EU-Recht treten diese Maßnahmen unmittelbar am Tag nach Veröffentlichung der Listen im EU-Amtsblatt in Kraft. Eine frühere informelle Zweitagesfrist, die Banken und Unternehmen zeitweilig als Karenz für die Umsetzung nutzten, ist rechtlich nicht mehr relevant und wurde mit der AWG-Novelle formal gestrichen. Unternehmen, Finanzinstitute und Berater müssen daher sofort prüfen, ob ihre Geschäftsbeziehungen oder Transaktionen Personen auf den Listen betreffen, und gegebenenfalls Maßnahmen wie Konto-Sperrungen, Transaktionsstopp oder Meldungen an Behörden (z. B. BAFA, Zoll) umsetzen.

Verzögerungen, auch nur von wenigen Tagen, können als leichte Fahrlässigkeit bewertet werden, sind aber grundsätzlich als Verstoß gegen die unmittelbare Umsetzungspflicht anzusehen. Die strikte Einhaltung der Listen ist zentral, um Bußgelder oder strafrechtliche Risiken zu vermeiden.


Ausblick und praktische Implikationen

Mit Inkrafttreten der AWG-Novelle wird das deutsche Sanktionsstrafrecht endgültig an die EU-Standards angepasst. Unternehmen müssen sich auf intensivere Prüfungen, klar definierte Verantwortlichkeiten und sofortige Umsetzung neuer Sanktionslisten einstellen. Eine risikobasierte Compliance, kontinuierliche Schulung der Mitarbeitenden und eine konsequente Dokumentation aller Entscheidungen und Prüfungen werden entscheidend sein, um das Risiko strafrechtlicher Verfolgung zu minimieren.

Die Harmonisierung innerhalb der EU wird langfristig zu einer einheitlicheren Bewertung von Verstößen führen, während Unternehmen gleichzeitig die Herausforderungen eines zunehmend komplexen regulatorischen Umfelds managen müssen.


Relevante nationale und europäische Rechtsgrundlagen

Die praktische Umsetzung von Sanktions- und Embargovorschriften basiert auf einem differenzierten Zusammenspiel von nationalem Recht, EU-Verordnungen und behördlichen Vorgaben.

Wesentliche Rechtsgrundlagen sind:
  • Das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) mit den §§18 und 19, die Straf- und Ordnungswidrigkeiten bei Verstößen gegen Embargos und restriktive Maßnahmen regeln.
  • Die Außenwirtschaftsverordnung (AWV), welche insbesondere die Genehmigungs- und Meldepflichten für Dual-Use-Güter konkretisiert.
  • EU-Sanktionsverordnungen, darunter Personen- und Vermögenssperren, Handels- und Gütersanktionen sowie Dual-Use- und Rüstungsgüterkontrollen (EU-Verordnung 2021/821), die unmittelbar in Deutschland gelten.
  • Relevante Paragraphen des Strafgesetzbuchs (StGB), insbesondere §§130 und 261, die im Kontext von Geldwäsche oder Umgehungshandlungen eine Rolle spielen.
  • Das Geldwäschegesetz (GwG) und die GwG-Meldeverordnung (GwGMeldV), die insbesondere Banken zur elektronischen Meldung eingefrorener Vermögenswerte verpflichten.
  • Berufsrechte und Verschwiegenheitspflichten nach Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO),
    Steuerberatungsgesetz (StBerG) und Wirtschaftsprüferordnung (WPO), die bestimmte Jedermannpflichten einschränken.
  • BAFA-Rundschreiben und Anordnungen sowie das EU-Amtsblatt, die praktische Hinweise zur Umsetzung von Sanktions- und Exportkontrollen liefern.

Die Umsetzung dieser Rechtsvorgaben erfordert eine tagesaktuelle Anpassung der internen Prozesse, insbesondere bei der Prüfung von Sanktionslisten, der Genehmigung von Exporten und der Meldung eingefrorener Vermögenswerte.


Fazit

Das neue Sanktionsstrafrecht verschärft die Haftungsrisiken für Unternehmen erheblich. Die Einhaltung von EU- und nationalen Vorgaben, insbesondere zu Jedermannspflichten, Dual-Use-Kontrollen sowie Personen- und Vermögenssanktionen, erfordert belastbare Compliance-Strukturen und eine nachvollziehbare Dokumentation. Die SW Zoll-Beratung GmbH unterstützt Unternehmen als spezialisierter Dienstleister an der Schnittstelle von Zollrecht, Außenwirtschaftsrecht, Exportkontrolle und Sanktionscompliance durch strukturierte Risiko- und Prozessanalysen sowie praxisnahe Schulungen, um strafrechtliche Exponierungen zu begrenzen, Prozesse zu optimieren und wirtschaftliche Folgerisiken zu minimieren


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Zollrecht & Compliance News & Trends

Blogserie US-(Re-)Exportkontrolle – Teil 1 Was bedeutet US-Re-Exportkontrolle
21.01.2026 |
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Blogserie US-(Re-)Exportkontrolle – Teil 1: Was bedeutet US-Re-Exportkontrolle?

Dieser Beitrag ist der Auftakt einer Blogserie zur US-Re-Exportkontrolle. In den kommenden Wochen …
Blogserie US-(Re-)Exportkontrolle – Teil 1 Was bedeutet US-Re-Exportkontrolle

Dieser Beitrag ist der Auftakt einer Blogserie zur US-Re-Exportkontrolle.
In den kommenden Wochen beleuchten wir zentrale Begriffe, Regelungen und Praxisfragen rund um das US-Re-Exportkontrollrecht verständlich, praxisnah und speziell für Einsteiger in diesem Thema. Den Anfang macht die grundlegende Frage:

Was genau bedeutet eigentlich „US-Re-Exportkontrolle“?


Herkunft des Begriffs

Der Begriff „US-Re-Exportkontrolle“ stammt aus dem US-amerikanischen Exportkontrollsystem, das weltweit einzigartig ist. Die Vereinigten Staaten beanspruchen eine extraterritoriale Geltung ihrer Exportvorschriften. Das bedeutet: US-Recht gilt nicht nur für US-Unternehmen, sondern auch für ausländische Firmen, wenn deren Produkte, Technologien oder Software einen US-Bezug aufweisen.

Diese extraterritoriale Kontrolle wurde eingeführt, um sicherzustellen, dass US-gelistete Güter nicht ohne Genehmigung in Länder oder an Personen gelangen, die aus Sicht der USA sicherheitsrelevant oder sanktioniert sind.


Ziel der US-Re-Exportkontrolle

Die US-Re-Exportkontrolle verfolgt das Ziel, die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten zu schützen und die Verbreitung sensibler Technologien zu kontrollieren. Dazu zählen insbesondere:

  • Dual-Use-Güter (zivile und militärische Nutzung)
  • Hochtechnologie
  • Software und Quellcode
  • Güter mit potenzieller Verwendung in kritischen Endverwendungen (z. B. Waffen, Überwachung, Nukleartechnik)

Die Kontrolle erfolgt nicht nur beim Export aus den USA, sondern auch bei der Weitergabe durch Drittländer – also beim sogenannten Re-Export.


Was ist ein Re-Export?

Ein Re-Export im Sinne der US-Vorschriften ist die Ausfuhr eines US-kontrollierten Guts aus einem Drittland – also nicht direkt aus den USA. Dies kann z. B. ein deutsches Unternehmen betreffen, das:

  • US-Komponenten in einem Produkt verbaut und dieses in ein Drittland liefert
  • US-Software oder Technologie nutzt und diese weitergibt
  • Produkte herstellt, die unter Verwendung von US-Know-how entstanden sind

Auch die Weitergabe innerhalb eines Landes – etwa von einem deutschen Unternehmen an eine ausländische Person – kann unter bestimmten Umständen als „Re-Export“ gelten.


Rechtlicher Rahmen

Die US-Re-Exportkontrolle ist in den Export Administration Regulations (EAR) geregelt. Dieses Regelwerk definiert:

  • Wann ein Produkt, eine Software oder Technologie als US-kontrolliert gilt
  • Welche Vorgänge genehmigungspflichtig sind
  • Welche Ausnahmen und Schwellenwerte gelten (z. B. De-minimis-Regel, Foreign Direct Product Rule)

Die EAR gelten unabhängig vom Sitz des Unternehmens entscheidend ist allein der US-Bezug des betreffenden Guts oder der Technologie.


Fazit: Ein Begriff mit globaler Wirkung

Die US-Re-Exportkontrolle ist weit mehr als ein juristischer Fachbegriff sie ist Ausdruck eines global wirksamen Kontrollsystems, das auch deutsche Unternehmen unmittelbar betrifft. Wer US-gelistete Güter verarbeitet, weitergibt oder in komplexe Lieferketten integriert, muss sich mit den Grundlagen der US-Re-Exportkontrolle vertraut machen.

Ein fundiertes Verständnis dieses Begriffs ist der erste Schritt zu rechtskonformem Handeln und zur Vermeidung von Risiken wie Bußgeldern, Lieferstopps oder Reputationsschäden.


SW Zoll-Beratung – Ihre Experten für US-Re-Exportkontrolle

Die SW Zoll-Beratung unterstützt Unternehmen dabei, die Anforderungen der US-Re-Exportkontrolle zu verstehen und umzusetzen kompetent, praxisnah und individuell.

Unsere Leistungen im Bereich US-Re-Exportkontrolle:

  • Analyse von US-Bezügen in Produkten, Software und Technologien
  • Bewertung von Re-Export-Szenarien und Risikopotenzialen
  • Erstellung von Handlungsempfehlungen zur rechtskonformen Umsetzung
  • Schulung und Sensibilisierung von Fachabteilungen
  • Begleitung bei der internen Compliance-Verankerung

Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

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Autor: Dominik Wiedmann - Senior Consultant Training & Beratung

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News & Trends

Schutz vor wirtschaftlichem Zwang durch Drittländer
20.01.2026 |
Lesezeit

Schutz vor wirtschaftlichem Zwang durch Drittländer-Das Anti‑Coercion‑Instrument („Handels‑Bazooka“) der EU und seine Bedeutung für Unternehmen im Zoll‑ und Außenhandel

Mit der Verordnung (EU) 2023/2675 hat die Europäische Union ein neues handelspolitisches Instrument …
Schutz vor wirtschaftlichem Zwang durch Drittländer

Mit der Verordnung (EU) 2023/2675 hat die Europäische Union ein neues handelspolitisches Instrument geschaffen, um sich und ihre Mitgliedstaaten gegen wirtschaftlichen Zwang durch Drittländer zu schützen. Das sogenannte Anti‑Coercion‑Instrument (ACI) erweitert das europäische Außenwirtschaftsrecht um einen Mechanismus, der gezielt auf politisch motivierten wirtschaftlichen Druck reagiert.

In der öffentlichen Wahrnehmung wird das ACI häufig als „Handels‑Bazooka“ bezeichnet. Gemeint ist damit kein rechtlicher Begriff, sondern die Möglichkeit der EU, im Ernstfall geschlossen, schnell und mit spürbarer wirtschaftlicher Wirkung zu handeln.

Für Unternehmen im Zoll‑ und Außenhandel stellt das Instrument einen neuen, relevanten Faktor dar, da ein Einsatz unmittelbare Auswirkungen auf Handelsbedingungen, Lieferketten und Compliance‑Strukturen haben kann.


Aktuelle Einordnung und praktische Relevanz

In jüngerer Zeit wurde das Anti‑Coercion‑Instrument verstärkt öffentlich diskutiert. Anlass waren geopolitische Spannungen, bei denen handelspolitische Drohungen als mögliches Druckmittel im Raum standen. Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass das Instrument nicht nur theoretischer Natur ist, sondern als reale Option innerhalb der europäischen Handelspolitik betrachtet wird.

Dabei zeigt sich, dass das ACI grundsätzlich auch gegenüber engen Wirtschaftspartnern zur Anwendung kommen könnte, sofern die Voraussetzungen wirtschaftlichen Zwangs erfüllt sind.

Hintergrund und Zielsetzung des Anti‑Coercion‑Instruments

Die internationale Handelspolitik ist zunehmend durch geopolitische Spannungen geprägt. In diesem Umfeld werden handelspolitische Maßnahmen immer häufiger eingesetzt, um politische oder rechtliche Entscheidungen anderer Staaten zu beeinflussen.

Das Anti‑Coercion‑Instrument wurde geschaffen, um diese Entwicklung adressieren zu können. Es verfolgt insbesondere folgende Ziele:

  • Schutz der souveränen Entscheidungsfreiheit der EU und ihrer Mitgliedstaaten
  • Abschreckung von wirtschaftlicher Erpressung durch staatliche Akteure
  • Schaffung eines einheitlichen unionsweiten Reaktionsrahmens
  • Vorrang von Dialog und Deeskalation vor handelspolitischen Gegenmaßnahmen

Das Instrument ist dabei ausdrücklich nicht als Straf‑ oder Sanktionsmechanismus angelegt, sondern als präventives Selbstverteidigungsinstrument der EU.


Wann liegt wirtschaftlicher Zwang vor?

Von wirtschaftlichem Zwang wird ausgegangen, wenn ein Drittstaat handel‑ oder investitionsbezogene Maßnahmen anwendet oder androht, um politischen Einfluss auszuüben. Entscheidend ist nicht die wirtschaftliche Wirkung an sich, sondern die politische Zielrichtung der Maßnahme.

Erfasst sind sowohl:

  • formelle Maßnahmen, etwa Zusatzzölle, Import‑ oder Exportbeschränkungen
  • als auch informelle oder faktische Maßnahmen, etwa administrativer Druck, Verzögerungen oder Genehmigungsverweigerungen

Warum wird vom Begriff der „Handels‑Bazooka“ gesprochen?

Der Begriff „Handels‑Bazooka“ beschreibt plakativ die wirtschaftliche Hebelwirkung des ACI. Gemeint sind vor allem drei strukturelle Besonderheiten:

  • ein breites Maßnahmenarsenal mit direkter wirtschaftlicher Wirkung
  • eine beschleunigte Entscheidungsfähigkeit auf EU‑Ebene
  • die Möglichkeit, Maßnahmen gezielt und verhältnismäßig einzusetzen

Tatsächlich handelt es sich rechtlich um ein handelspolitisches Reaktionsinstrument, nicht um eine Eskalationsmaßnahme.


Wie funktioniert das Anti‑Coercion‑Instrument

Das ACI folgt einem mehrstufigen Ansatz:

  • Prüfung der Sachlage
    Auf EU‑Ebene wird geprüft, ob eine Maßnahme eines Drittstaates als wirtschaftlicher Zwang einzuordnen ist.
  • Dialog‑ und Verhandlungsphase
    Vorrangig wird versucht, den Konflikt durch Gespräche und diplomatische Mittel zu lösen.
  • Formelle Feststellung
    Besteht der wirtschaftliche Zwang fort, kann dieser offiziell festgestellt werden.
  • Gegenmaßnahmen als letztes Mittel
    Erst dann können handelspolitische Maßnahmen erlassen werden.

Der gesamte Mechanismus ist darauf ausgelegt, Abschreckung zu erzeugen, ohne automatisch in eine Eskalation zu führen.


Welche Maßnahmen kann die EU ergreifen

Die Bandbreite möglicher Maßnahmen ist bewusst weit gefasst. In Betracht kommen unter anderem:

  • zusätzliche Zölle oder Abgaben
  • Einschränkungen im Waren‑ und Dienstleistungsverkehr
  • Beschränkungen des Marktzugangs
  • Ausschluss von öffentlichen Aufträgen
  • gezielte Maßnahmen gegenüber bestimmten Branchen oder Marktsegmenten

Alle Maßnahmen müssen verhältnismäßig, zeitlich begrenzt und auf die Beendigung des wirtschaftlichen Zwangs ausgerichtet sein.


Welche Auswirkungen hätte ein Einsatz des ACI für Unternehmen in der EU?

Unmittelbare Auswirkungen

Ein formeller Einsatz des Anti‑Coercion‑Instruments hätte für Unternehmen insbesondere folgende Konsequenzen:

  • kurzfristige Änderungen von Zoll‑ und Handelsbedingungen
  • Einführung neuer Import‑ oder Exportbeschränkungen
  • Anpassungsbedarf bei Marktzugangs‑ und Vertragsstrukturen

Diese Maßnahmen würden unionsweit gelten und wären von Unternehmen unmittelbar umzusetzen.

Mittelbare Auswirkungen auf Lieferketten

Auch Unternehmen ohne direkten Bezug zum betroffenen Drittstaat könnten betroffen sein, etwa durch:

  • Unterbrechungen oder Verteuerungen von Lieferketten
  • Auswirkungen auf Warenursprung, Präferenzregelungen und Zollwerte
  • erhöhte administrative und organisatorische Anforderungen

Gerade global verzweigte Lieferketten reagieren sensibel auf kurzfristige handelspolitische Eingriffe.


Bedeutung für Zoll‑ und Außenwirtschaftscompliance

Das Anti‑Coercion‑Instrument wirkt faktisch als Stresstest für bestehende Compliance‑Strukturen. Unternehmen sollten sicherstellen, dass sie:

  • neue handelsrechtliche Maßnahmen schnell identifizieren und umsetzen können
  • interne Schnittstellen zwischen Zoll, Einkauf, Recht und Logistik klar geregelt haben
  • geopolitische Risiken systematisch in ihre Risikoanalyse einbeziehen

Eine rein reaktive Herangehensweise dürfte künftig nicht mehr ausreichen.


Systematische Einordnung im EU‑Außenwirtschaftsrecht

Das ACI ergänzt bestehende Instrumente wie handelspolitische Schutzmaßnahmen, Antidumping‑Regelungen und Sanktionen. Seine Besonderheit liegt darin, dass es nicht marktverzerrendes Verhalten, sondern staatlichen politischen Druck adressiert.


Fazit

Das Anti‑Coercion‑Instrument verdeutlicht, dass wirtschaftliche Beziehungen zunehmend geopolitisch geprägt sind. Mit der Verordnung (EU) 2023/2675 stärkt die EU ihre Fähigkeit, politisch motiviertem wirtschaftlichem Druck geschlossen entgegenzutreten und ihre strategische Handlungsfähigkeit zu sichern.

Für Unternehmen liegt die Relevanz weniger im rechtlichen Mechanismus als in der Signalwirkung: Internationale Geschäftsmodelle können unabhängig vom eigenen Verhalten kurzfristig durch politische Entscheidungen beeinflusst werden. Planungssicherheit, Resilienz und Flexibilität gewinnen damit deutlich an Bedeutung.

Das Anti‑Coercion‑Instrument ist keine neue Regulierung für Unternehmen, sondern ein Ausdruck wirtschaftspolitischer Selbstbehauptung. Wer global agiert, muss geopolitische Risiken künftig als festen Bestandteil strategischer Entscheidungen begreifen.


Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

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Zollrecht & Compliance News & Trends

Verschärfung der Kontrollen für in die EU eingeführte Lebensmittel sowie tierische und pflanzliche Erzeugnisse
14.01.2026 |
Lesezeit

Verschärfung der Kontrollen für in die EU eingeführte Lebensmittel sowie tierische und pflanzliche Erzeugnisse

Die Europäische Union verschärft ihre Einfuhrkontrollen für Lebensmittel sowie tierische und …
Verschärfung der Kontrollen für in die EU eingeführte Lebensmittel sowie tierische und pflanzliche Erzeugnisse

Die Europäische Union verschärft ihre Einfuhrkontrollen für Lebensmittel sowie tierische und pflanzliche Erzeugnisse spürbar. Hintergrund ist das erklärte Ziel, ein hohes Niveau an Lebensmittelsicherheit, Tiergesundheit, Pflanzengesundheit und Verbraucherschutz dauerhaft sicherzustellen unabhängig davon, ob Erzeugnisse innerhalb der Union produziert oder aus Drittländern eingeführt werden. Gleichzeitig soll ein fairer Wettbewerb für europäische Erzeuger gewährleistet bleiben.

Die angekündigten Maßnahmen markieren keinen Systemwechsel, wohl aber eine deutliche Intensivierung eines bereits komplexen Kontrollregimes, das für importierende Unternehmen erhebliche praktische und rechtliche Auswirkungen hat.


Politischer und regulatorischer Kontext der Verschärfung

Die Europäische Kommission hat angekündigt, die bestehenden Einfuhrkontrollen sowohl an den Außengrenzen der Union als auch in Drittländern deutlich auszuweiten. Prüfungen in Nicht-EU-Staaten sollen in den kommenden zwei Jahren um rund 50 % steigen, während gleichzeitig die Audits an europäischen Grenzkontrollstellen intensiviert werden. Ergänzt wird dies durch eine stärkere Überwachung nicht konformer Warenströme, eine gezielte Fokussierung auf Hochrisikoprodukte insbesondere im Bereich Pestizidrückstände, Tiergesundheit und Futtermittelsicherheit sowie den Aufbau spezialisierter Taskforces auf EU-Ebene.

Diese Maßnahmen sind Ausdruck eines risikobasierten Ansatzes: Je höher das angenommene Risiko eines Produkts, eines Herkunftslands oder einer Produktionskette, desto intensiver und häufiger erfolgen Kontrollen.


Operative Realität der Einfuhrkontrollen

Für Unternehmen bedeutet die Verschärfung vor allem eines: Einfuhrkontrollen sind kein rein formaler Akt mehr, sondern ein mehrstufiges Verfahren, das frühzeitig beginnt und sich über mehrere Behörden und IT-Systeme erstreckt.

Bereits vor der physischen Ankunft einer Ware in der EU müssen umfangreiche Informationen digital bereitgestellt werden. Zentrale Rolle spielt dabei das EU-System TRACES (Trade Control and Expert System), über das sogenannte Gemeinsame Gesundheitsdokumente heute in Form der CHED- und GGED-Dokumente erstellt, übermittelt und geprüft werden.

Diese Dokumente sind nicht bloß Begleitpapiere, sondern entscheidungsrelevant: Ohne korrekt ausgefüllte und freigegebene CHED/GGED-Meldung erfolgt keine Einfuhrfreigabe selbst dann nicht, wenn zollrechtlich alle Voraussetzungen erfüllt wären.


Behörden und Zuständigkeiten – verständlich erklärt

Das System der Einfuhrkontrollen lebt vom Zusammenspiel verschiedener Ebenen und Akteure.

Auf europäischer Ebene setzt die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (DG SANTE) den regulatorischen Rahmen. Sie entwickelt Rechtsvorgaben, koordiniert Audits in Mitgliedstaaten und Drittländern und steuert themenspezifische Taskforces. Die DG SANTE kontrolliert dabei nicht einzelne Waren, sondern die Funktionsfähigkeit der nationalen Kontrollsysteme insgesamt.

Die Grenzkontrollstellen (Border Control Posts) sind hingegen operativ tätig. Dort werden die über TRACES eingereichten Dokumente geprüft, Identitätskontrollen durchgeführt und abhängig vom Risikoprofil physische Untersuchungen vorgenommen. Diese Stellen entscheiden faktisch darüber, ob eine Ware in den Binnenmarkt gelangen darf oder nicht.

In Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die zentrale Koordinierungsstelle. Es fungiert als Schnittstelle zwischen EU-Ebene, Landesbehörden und TRACES, begleitet Audits und sorgt für eine einheitliche Anwendung der Vorgaben. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) übernimmt die politische Steuerung und die nationale Umsetzung des EU-Rechts.

Eine besondere Rolle nimmt die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ein. Sie unterstützt unter anderem bei importbezogenen Fachfragen, bei Pflanzenschutzthemen sowie bei der Rückverfolgbarkeit sensibler Warenströme.

Für Einfuhren geschützter Tier- und Pflanzenarten ist das Bundesamt für Naturschutz (BfN) zuständig. Im Rahmen von CITES prüft es Genehmigungen und Verbote.

Die operativen Kontrollen vor Ort liegen bei den Landesbehörden insbesondere Veterinär-, Lebensmittel- und Pflanzenschutzämtern. Sie führen Nachkontrollen, Probenahmen und Audits durch.

Die Zollbehörden prüfen parallel die zollrechtlichen Voraussetzungen der Einfuhr. Eine zollrechtliche Freigabe ersetzt jedoch nicht die lebensmittel- oder pflanzengesundheitsrechtliche Freigabe. Erst wenn alle beteiligten Stellen ihr Einvernehmen erklären, darf die Ware in den freien Verkehr übergehen.


TRACES, CHED/GGED und CITES – ein integriertes Kontrollsystem

TRACES ist das digitale Rückgrat der EU-Einfuhrkontrollen. Über das System werden CHED- und GGED-Dokumente erstellt, bearbeitet und archiviert. Diese Dokumente bündeln Informationen zu Herkunft, Art, Verwendungszweck und Risikokategorie der Ware.

CITES-relevante Einfuhren werden ebenfalls über TRACES begleitet. Zwar erfolgt die eigentliche Genehmigung durch das BfN, doch die Dokumentation, Prüfung und Freigabe im Importprozess sind unmittelbar mit TRACES verknüpft. Fehlende oder widersprüchliche Angaben führen regelmäßig zu Verzögerungen oder Importstopps unabhängig von der zolltariflichen Behandlung.

Gerade im Bereich pflanzlicher Erzeugnisse und bestimmter Lebensmittel spielen CITES-Regelungen eine größere Rolle, als häufig angenommen wird, etwa bei Kräutern, Holzprodukten, exotischen Früchten oder Nahrungsergänzungsmitteln mit geschützten Bestandteilen.


Rechtlicher Rahmen der Einfuhrkontrollen

Europäisches Recht

Die Einfuhrkontrollen stützen sich auf ein dichtes Netz unmittelbar geltender EU-Verordnungen. Zentral ist die Verordnung (EU) 2017/625 über amtliche Kontrollen, die Prüfungen, Audits und Maßnahmen in Drittländern sowie an den Außengrenzen regelt. Ergänzt wird sie durch die Allgemeine Lebensmittelverordnung (EG) Nr. 178/2002, die Grundsätze der Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit festlegt.

Hygieneregeln ergeben sich insbesondere aus den Verordnungen (EG) Nr. 852/2004 und 853/2004, während das Tiergesundheitsrecht auf der Verordnung (EU) 2016/429 basiert. Pflanzengesundheitskontrollen sind in der Verordnung (EU) 2016/2031 geregelt. Pestizidrückstände unterliegen unter anderem den Vorgaben der Verordnungen (EG) Nr. 396/2005 und 1107/2009.

Leitlinien und Empfehlungen der DG SANTE sowie wissenschaftliche Stellungnahmen der EFSA konkretisieren diese Vorgaben. Sie sind rechtlich nicht verbindlich, prägen jedoch maßgeblich die Kontrollpraxis.

Deutsches Recht

Auf nationaler Ebene bilden das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB), das Tiergesundheitsgesetz, das Pflanzenschutzgesetz sowie das Bundesnaturschutzrecht in Verbindung mit der BArtSchV die zentrale Rechtsgrundlage. Diese Gesetze definieren Zuständigkeiten, Eingriffsbefugnisse und Sanktionen und setzen den europäischen Rahmen in die deutsche Verwaltungspraxis um.


Typische Praxisrisiken bei verschärften Kontrollen

Die Erfahrung zeigt, dass Beanstandungen selten auf spektakuläre Verstöße zurückzuführen sind. Häufige Ursachen sind fehlerhafte oder verspätete TRACES-Meldungen, unklare Warenbeschreibungen, Abweichungen zwischen Handels- und Gesundheitsdokumenten oder fehlende CITES-Nachweise bei scheinbar unkritischen Produkten.

Besonders risikobehaftet sind Konstellationen, in denen Einkaufs-, Qualitäts- und Zollabteilungen nicht ausreichend abgestimmt sind oder externe Dienstleister ohne klare Verantwortlichkeiten eingebunden werden.


Handlungsempfehlungen für importierende Unternehmen

Vor dem Hintergrund der verschärften Kontrollen empfiehlt sich ein strategischer Ansatz. Dazu gehört eine strukturierte Risikoanalyse nach Warenart und Herkunft, eine klare interne Zuständigkeit für TRACES-Meldungen sowie die frühzeitige Prüfung von CITES-Relevanz und Pflanzengesundheitsanforderungen.

TRACES sollte nicht nur als Pflichtsystem, sondern als Compliance-Instrument verstanden werden. Eine saubere, konsistente Dokumentation reduziert nicht nur Verzögerungen, sondern senkt langfristig auch die Kontrollintensität.


Fazit und strategischer Ausblick

Die Verschärfung der EU-Einfuhrkontrollen ist keine kurzfristige Maßnahme, sondern Ausdruck eines langfristigen Trends hin zu mehr Prävention, Transparenz und Risikosteuerung. Unternehmen, die Einfuhrkontrollen als integralen Bestandteil ihrer Lieferketten verstehen und organisatorisch abbilden, sichern sich nicht nur Rechtskonformität, sondern auch operative Stabilität.

Eine effiziente, rechtsichere Zoll- und Importabwicklung bleibt ein elementarer Baustein für wirtschaftlichen Erfolg. In einem zunehmend dynamischen und regulierten Umfeld zahlt sich fachliche Tiefe, vorausschauende Organisation und strategische Begleitung nachhaltig aus.


Seit über 30 Jahren unterstützen wir Unternehmen mit maßgeschneiderten Dienstleistungen rund um das Thema Zoll und Außenwirtschaft. Ob Einfuhr, Ausfuhr, Präferenzkalkulation oder Compliance – unser erfahrene Zollexperten steht Ihnen mit fundiertem Know-how und praxisnahen Lösungen zur Seite.

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News & Trends

03.12.2025 |
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CBAM-relevante Codierungen in Zollanmeldungen

Mit der vollständigen Anwendung der Verordnung (EU) 2023/956 zum CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) …

Mit der vollständigen Anwendung der Verordnung (EU) 2023/956 zum CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) ab dem 1. Januar 2026 stehen Unternehmen vor neuen Herausforderungen in der Zollabwicklung. Die korrekte Codierung in Zollanmeldungen wird dabei zum entscheidenden Faktor für eine rechtskonforme und effiziente Abwicklung. Dieser Beitrag beleuchtet die relevanten TARIC-Unterlagencodierungen, die ab 2026 verpflichtend sind, und gibt praxisnahe Hinweise für Unternehmen, die CBAM-pflichtige Waren importieren.

Hintergrund: CBAM und seine Auswirkungen auf die Zollpraxis

Das CBAM-System soll sicherstellen, dass für bestimmte Waren aus Drittländern ein CO₂-Ausgleich erfolgt. Während der Übergangsphase (bis 31. Dezember 2025) galt lediglich eine Berichterstattungspflicht. Ab 2026 dürfen CBAM-Waren nur dann zum zollrechtlich freien Verkehr überlassen werden, wenn der Anmelder als zugelassener CBAM-Anmelder registriert ist oder eine gesetzlich vorgesehene Ausnahme greift.


Neue Pflichtcodierungen in ATLAS-Zollanmeldungen

Ab dem 01.01.2026 müssen für CBAM-Waren spezifische TARIC-Unterlagencodierungen in der Zollanmeldung angegeben werden. Die wichtigsten Codierungen sind:

  • Y128 – CBAM-Kontonummer
    Nachweis des zugelassenen CBAM-Anmelders. Die CBAM-Kontonummer ist zwingend im Datenfeld „Nummer der Unterlage (Position)“ anzugeben.
  • Y134 – Waren mit Ursprung in Büsingen, Helgoland oder Livigno
    Ausnahmen von der Erfassung durch die CBAM-Verordnung.
  • Y135 und Y136 – Befreiungen für militärische Tätigkeiten sowie für Strom/Wasserstoff
    Diese Codierungen decken spezielle Befreiungstatbestände ab.
  • Y137 – De-Minimis-Regelung
    Unternehmen, die jährlich weniger als 50t der erfassten Waren einführen, sind von den Vorgaben des CBAM vollständig befreit (gilt nicht für Strom und Wasserstoff)
  • Y237 – Waren mit Ursprung in der EU
    Ausnahmen von der Erfassung durch die CBAM-Verordnung.
  • Y238 – Antrag auf Zuerkennung des Status eines zugelassenen CBAM-Anmelders wurde bis zum 31. März 2026 gestellt
    Gültig bis zum 27. September 2026 aufgrund der Verfahrensfrist.

Wichtiger Hinweis: Zollanmeldungen mit CBAM-Waren, die bis 31.12.2025 ohne diese Codierungen abgegeben und nicht angenommen wurden, werden ab 01.01.2026 zurückgewiesen. Unternehmen sollten daher sicherstellen, dass alle relevanten Daten rechtzeitig vorliegen.


Die 50-Tonnen-De-minimis-Schwelle: Nicht alle Unternehmen müssen sich registrieren

Ein zentraler Punkt: Nicht jedes Unternehmen ist verpflichtet, sich als CBAM-Anmelder registrieren zu lassen. Die CBAM-Verordnung sieht eine De-minimis-Regelung vor. Diese greift, wenn die Gesamtmenge der eingeführten CBAM-Waren im Kalenderjahr 50 Tonnen nicht überschreitet.

Das bedeutet:

  • Unternehmen, die unter dieser Schwelle bleiben, sind von der Pflicht zur Registrierung befreit.
  • Dennoch müssen auch diese Unternehmen prüfen, ob ihre Waren grundsätzlich CBAM-pflichtig sind und die entsprechenden Codierungen (z. B. Y137 für die De-minimis-Ausnahme) korrekt in der Zollanmeldung angegeben werden.

Proaktive Information gegenüber der SW Zoll-Beratung

Damit wir als Ihr Zollvertreter die korrekten Codierungen in den Zollanmeldungen setzen können, ist es unerlässlich, dass Sie uns als Ihren Vertreter informieren, sobald keine der o.g. Ausnahmeregelungen zutrifft, sodass Sie:

  • ein Antrag auf Zulassung als CBAM-Anmelder gestellt haben,
  • Ihr Antrag beschieden wurde und die CBAM-Kontonummer vorliegt.

Nur mit diesen Informationen können wir eine konforme Zollanmeldung gewährleisten und unnötige Verzögerungen oder Rückweisungen vermeiden.


Zum Nachlesen


Fazit

Die Einführung des CBAM-Systems markiert einen bedeutenden Schritt in der europäischen Klimapolitik – und stellt Unternehmen vor komplexe zollrechtliche Anforderungen. Mit einer sorgfältigen Vorbereitung und der Unterstützung eines erfahrenen Partners wie SW Zoll-Beratung lassen sich Risiken minimieren und Prozesse effizient gestalten.

Sie benötigen Unterstützung im Umgang mit CBAM und den neuen Zollanforderungen. Kommen Sie gerne auf uns zu, um gemeinsam Ihre Zollprozesse zukunftssicher zu machen.


SW Zoll-Beratung GmbH unterstützt Unternehmen mit fundierter Expertise, individueller Beratung und praxisnahen Schulungen rund um CBAM und anderen Zollthemen. Als Full-Service-Partner stehen wir Ihnen verlässlich zur Seite – persönlich, digital oder vor Ort.

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Autor: Tim Mayer - Leiter Training & Beratung

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